Auf den Spuren der alten Römer

Daniel Schriber, Fotos Alexandra Baumgartner
abl-magazin 05/2021

Jeden Monat bieten Edith Hausmann und Hansruedi Hitz abwechslungsreiche Wanderausflüge für abl-Mitglieder an. An einem prächtigen Frühlingstag Ende April führte Edith eine Gruppe über den geschichtsträchtigen Renggpass. Auch wir schnürten unsere Wanderschuhe.

Steiler Aufstieg über dem Alpnacher Seebecken  / Ausgangspunkt der Wanderung  in Stansstad

Wer auf der A2 in Richtung Norden oder Süden unterwegs ist, kann sie nicht übersehen: Die Lopperkapelle. Hoch über Stansstad rauscht unter ihr die Autobahn. «Hier geht’s gleich am Anfang zur Sache», kommentiert Ruedi Stalder den steilen Aufstieg zur Kapelle lachend. Der 59-Jährige wohnt zwar nicht in einer abl-Wohnung, ist aber seit einiger Zeit Mitglied der Genossenschaft. Seitdem der Malteser die Geschicke seines Holzbaubetriebs an seinen Sohn übergeben hat, nutzt er die neu gewonnene Freizeit, um Ausflüge in der Region zu unternehmen. Am Wanderangebot der abl schätzt Ruedi – man duzt sich schnell – die abwechslungsreichen Touren sowie den Austausch mit den anderen Teilnehmenden. «Egal ob jemand regelmässig oder zum ersten Mal dabei ist: Unterwegs in der Natur entwickeln sich stets interessante Gespräche.» So ist es auch an diesem prächtigen Frühlingstag Ende April. Auf dem Programm steht eine Frühlingswanderung von Stansstad über den Renggpass nach Hergiswil, dreieinhalb Stunden Laufzeit, Picknickstopp am Mittag. Auch wenn sich viele der zehn Teilnehmenden zum ersten Mal begegnen, wirkt die Stimmung vom ersten Schritt an entspannt und freundschaftlich.
Geleitet wird die Tour von Edith Hausmann. In Abwechslung mit Hansruedi Hitz bietet sie monatliche Touren für Genossenschafterinnen und Genossenschafter an. Während bei Hansruedi Expeditionen in urbane Gebiete im Fokus stehen, führt Edith ihre Gruppen in die Höhe. Vergangenes Jahr etwa organisierte sie Touren auf den Brünig oder ins Hochmoor Rothen-thurm. «Ich bin auch privat häufig auf Skitouren oder wandernd in den Bergen unterwegs», sagt Edith. Als sie vor zwei Jahren im abl-magazin auf eine Annonce stiess, in der nach neuen Wanderleiterinnen gesucht wurde, zögerte sie deshalb nicht lange. «Erstens bin ich leidenschaftlich gerne in der Natur aktiv, und zweitens ist es ein gutes Gefühl, etwas für die Gemeinschaft
tun zu können. Zudem ergänzen Hansruedi und ich uns
optimal.»

Tourenleiterin Edith Hausmann / Abstieg vom Renggpass mit Pilatus im Rücken

Schneebad auf der Dachterrasse
Wie die Gruppe unterwegs von ihrer Leiterin erfährt, handelt es sich bei der Wanderung über den Renggpass um eine Route mit stolzer Geschichte. Vor dem Bau
der Strasse entlang dem Lopper Mitte des 19. Jahrhunderts, war der Saumpfad die einzige Landverbindung von Luzern und Nidwalden nach Obwalden sowie zum Brünigpass. Der Pass wurde sogar schon von den alten Römern begangen und wurde nicht zuletzt deshalb vom Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz als von nationaler Bedeutung eingestuft. Zudem wurden in dem Gebiet schon so manche Scharmützel ausgetragen, wovon auch die Aufzeichnungen auf dem Grenzstein von 1709 zeugen, der die Passhöhe markiert. «Wenn möglich versuchen wir, den Teilnehmenden einige zusätzliche Infos zu den Touren mitzugeben», sagt Edith. Im Vordergrund stehe aber stets die gemeinsame Unternehmung in der Natur. Die 72-Jährige, die beruflich als PR-Fachfrau für die Caritas tätig war, geniesst es, heute all das zu tun, wofür ihr während des Berufslebens meist die Zeit fehlte. Dazu gehört zum Beispiel, dass sie das ganze Jahr über im Vierwaldstättersee schwimmt. Ja – auch im Januar, bei Wassertemperaturen um 5 Grad. Und wenn sich der Schnee wie in diesem Winter endlich mal wieder in den tiefen Lagen festsetzt, ist es durchaus möglich, Edith auf der Dachterrasse der Himmelrich-Siedlung beim «Schneebad» anzutreffen. Nirgendwo aber fühle sie sich lebendiger als in den Bergen. Zügigen Schrittes legt sie Meter um Meter zurück. Denn so schön das Panorama von der Lopperkapelle aus auch sein mag – am Ziel ist die Gruppe noch lange nicht. Tatsächlich geht es die nächsten 40 bis 50 Minuten relativ steil weiter. 

Wandern verbindet
Der historische Saumpfad führt hinauf durch blühende Wiesen und Waldstücke. Unterwegs macht die Gruppe regelmässig kurz Halt, um den Ausblick auf die umliegenden Berge zu geniessen und einen Schluck zu trinken. «Ein bisschen ins Schwitzen kommt man schon», sagt Anita Schmidlin, während sie sich mit dem Handrücken über die Stirn fährt. Auch sie und ihre Partnerin Maria Winiger haben bereits mehrmals an den abl-Wanderungen teilgenommen. Das Paar wohnt seit der Eröffnung im September 2019 in der Siedlung Himmelrich 3. An der abl schätzen die beiden Frauen insbesondere die gute Atmosphäre, die zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern herrscht. Das zeige sich zum Beispiel beim Urban-Gardening-Projekt im Himmelrich, bei dem beide aktiv mitmachen. «Gutes Zusammenleben entsteht nicht einfach so. Man muss etwas dafür tun», sagt Maria Winiger. Zum Beispiel seine Wanderschuhe schnüren und losmarschieren. Denn auch wenn der Aufstieg mal etwas gar steil sein mag: Der Gipfel und das verdiente Picknick kommen irgendwann bestimmt.

Mitwandern
Wer das monatliche Wanderangebot für abl-Mitglieder kennenlernen möchte, kann sich per E-Mail oder telefonisch für eine Tour anmelden.
 (Edith: 079 258 52 67; Hansruedi: 041 420 27 46). Weitere Infos: abl.ch/wandern.

zum Seitenanfang