Ihre Meinung ist uns wichtig

Benno Zgraggen, Illustrationen Tino Küng
abl-magazin 02/2021

Das Projekt «Gesamtrevision Statuten» überprüft die Grundlagen der abl und hinterfragt den Kurs der Genossenschaft kritisch. Ende 2020 gestartet, nimmt das Projekt nun Fahrt auf. Im Frühling sind die abl-Mitglieder eingeladen, sich am Mitwirkungsprozess zu beteiligen. 

Mehr als ein Jonglieren mit Paragraphen und Artikeln: Auch die Grundsätze der abl sind Teil der Statutenrevision. 

In ihren Statuten hält die abl unter anderem Zweck, Grundsätze sowie finanzielle und organisatorische Bestimmungen zur Genossenschaft fest. Im Interview erklärt die abl-Präsidentin Marlise Egger Andermatt, weshalb diese Bestimmungen reif für eine Überarbeitung sind und wo sich abl-Mitglieder speziell einbringen können.
 

Marlise Egger Andermatt, die abl wird
bald 100-jährig und ist erfolgreich 
unterwegs. Warum ist eine Gesamtrevision
der Statuten nötig?

Der Erfolg motiviert, die abl auf solidem Fundament weiterzuentwickeln, Neues zu wagen und zu denken. Die Statuten sind unser Instrument dafür – sie sollen die Zukunftsgestaltung ermöglichen. Bis jetzt haben wir die Statuten immer wieder den aktuellen Gegebenheiten angepasst, im letzten Jahr hat die Generalversammlung im Zusammenhang mit den Kooperationen, in denen wir vermehrt arbeiten, eine Teilrevision gutgeheissen. Nun möchten wir die Statuten ganzheitlich überprüfen, notwendige Aktualisierungen vornehmen, aber auch grundsätzliche Schlüsselthemen zur Diskussion stellen. Beim Mitwirkungsprozess (siehe Box S. 9) laden wir die Mitglieder ein, sich dazu zu äussern.  

Ist die Kostenmiete auch Thema
der Statutenrevision?

Die Kostenmiete ist ein sehr wichtiges Thema, dem wir in diesem Jahr besondere Beachtung schenken, aber in einem separaten Projekt. Auf Ebene der Statutenrevision wird die Kostenmiete im Grundsatz verankert. Der Vorstand hat im Zusammenhang mit einem Antrag an der letzten Generalversammlung in Aussicht gestellt, dieses Thema in einen partizipativen Prozess zur Diskussion zu stellen. Weil es sich um ein sehr komplexes Thema handelt, wird dies mehrstufig erfolgen – einerseits in einer Expertenrunde, andererseits an einem Workshop für interessierte Mitglieder, die mit der Materie vertraut sind. Diese Mitwirkung ist noch vor der Hauptkonferenz zur Statutenrevision geplant.  

Statuten sind ein eher «trockenes»,
 technisches Thema, wie müssen wir uns
die Revision vorstellen?

Betrachtet man dies auf der Ebene der einzelnen Artikel, mag das durchaus stimmen. Aber im Zweckartikel unserer Statuten und auch in vielen anderen steckt Grundsätzliches und damit auch (Zünd-)Stoff für Diskussionen. Die Revision beinhaltet zwei Teile: Zum einen hat der Vorstand Schlüsselthemen bestimmt, die er in einer Grossgruppenkonferenz zur Diskussion stellt. Es handelt sich um übergeordnete Themen oder Grundsätze, die wir als Thesen in den Prozess einbringen werden. Die aus der Diskussion resultierenden Empfehlungen der teilnehmenden Mitglieder werden in die Statutenrevision einfliessen oder auf anderer Ebene weiterbearbeitet. Es kann sein, dass nicht alle Inputs auf der «Flughöhe» der Statuten abgehandelt werden können.  

Die wichtigsten Eckpunkte beim Mitwirkungsprozess von Kostenmiete und Gesamtrevsison Statuten.

Und Teil zwei?
Parallel zum Mitwirkungsprozess läuft die sogenannte ordentliche Statutenrevision. Wir analysieren, welche Artikel nicht mehr der Praxis entsprechen, welche organisatorischen Änderungen nachzuführen sind – zum Beispiel die Bezeichnung «Fachausschuss» statt «Kommission» – wo in der Anwendung Probleme auftreten, welche Formulierungen nicht mehr zeitgemäss sind. Es geht um inhaltliche, betriebliche und juristische Fragen, aber auch um sprachliche Anpassungen. Um diese Themensammlung zu vervollständigen, werden derzeit unsere Mitarbeitenden aus allen Bereichen befragt. Am Ende werden aber beide Prozesse im Entwurf der neuen Statuten zusammenkommen. Der juristische Blick auf das Ganze begleitet das Projekt von A bis Z.  

Die Mitwirkung sieht eine sogenannte 
Spurgruppe vor, welche vor der 
Grossgruppenkonferenz eingesetzt wird. 
Wer gehört ihr an?

Die Spurgruppe soll ein «Mini-abl-Universum» sein, ein möglichst repräsentativer Querschnitt unserer Genossenschaft. Mitglieder aus unterschiedlichen Interessen- und Anspruchsgruppen, Altersgruppen, Wohn- und Lebenssituationen werden von uns direkt gesucht – und zwar sowohl unter den Mieterinnen und Mietern als auch unter den Mitgliedern ohne Wohnung bei der abl. Verschiedene Interessen, Ansichten und Meinungen aus der Basis der Genossenschaft kommen so zusammen. Aufgabe der Spurgruppe ist in erster Linie, die Vorbereitung der Grossgruppenveranstaltung zu unterstützen, um auch hier eine gute Durchmischung zu erreichen. An den zwei Terminen mit der Spurgruppe vor der breiten Mitwirkung können zudem Ideen, Themen und der Prozess im Vorfeld kritisch gespiegelt werden.  

Zurück zu den Grossgruppenkonferenzen: Wie laufen diese ab?

Hinsichtlich der aktuellen Pandemie-Lage ist die Hoffnung, diese physisch durchzuführen, schon sehr früh geschwunden. Wir haben uns deshalb entschieden, die erste Konferenz, die Ende Mai stattfinden wird, digital durchzuführen. Mit dem Beratungsunternhemen «frischer wind» (siehe Spalte links), haben wir einen externen Partner beauftragt, der auf Mitwirkungsprozesse für Grossgruppen spezialisiert ist und Erfahrung mit der digitalen Umsetzung hat. Digital ist erstaunlich viel möglich mit Gruppenräumen, Pin-Wänden, Umfragen oder Diskussionsgefässen.  

Gibt es auch für Menschen ohne Internetzugang die Möglichkeit, sich zu beteiligen?

Wir prüfen, ob es einen Weg gibt. Ich könnte mir vorstellen, dass es mit einer Assistenz möglich sein könnte. Eine ältere Person beispielsweise nimmt zusammen mit der Enkelin teil.  

Zum Schluss: Was wünschen Sie sich 
als Projektleiterin vom Prozess?

Mein Wunsch ist es natürlich, dass sich möglichst viele Mitglieder an der Mitwirkung beteiligen: Alte, Junge, Frauen, Männer aus unterschiedlichen Lebenssituationen und sozialen und gesellschaftlichen Umfeldern. Eine bunt durchmischte Gruppe, welche die Vielfalt der abl zeigt. Viele Meinungen und Interessen aus der Basis sollen zusammenkommen, sodass Ende 2022 ganz viele Mitglieder mit Überzeugung «Ja» zu neuen abl-Statuten sagen können. Ich empfehle allen abl-Mitgliedern, jetzt den Newsletter zu abonnieren, um von Anfang an mit dabei zu sein.  

Jetzt anmelden! 

Interessiert, Ihre Meinung kundzutun und mitzudiskutieren? Melden Sie sich jetzt beim Newsletter für das Projekt «Gesamtrevision Statuten» an. Sobald Neuigkeiten zum Projekt da sind, melden wir uns bei Ihnen. 
 

Gut beraten beim Mitwirkungsprozess 
mit «frischer wind» 

Das Beratungsunternehmen für Organisationsentwicklungen «frischer wind AG» begleitet seit 2000 partizipative Entwicklungs- und Klärungsprozesse im Grossgruppenformat. In den rund 20 Jahren begleitete das inzwischen vierköpfige Team mehr als tausend partizipative Prozesse in der Wirtschaft, in der Verwaltung, im öffentlichen sowie im Non-Profit-Bereich. frischer wind ist spezialisiert auf die Gestaltung von partizipativen Entwicklungs- und Klärungsprozessen, möglichst unter Beteiligung aller betroffenen Gruppen. Die Grossgruppen-Konferenzen als Herzstück dieser Prozesse ermöglichen es einer Organisation, gemeinsam, gleichzeitig und im selben Raum Lösungen zu entwickeln, die von allen verstanden und mitgetragen werden. frischer wind wurde beauftragt, die Mitwirkung zum Projekt «Gesamtrevision Statuten» zu begleiten und durchzuführen. Weitere Informationen zur Arbeitsweise und zur Mitwirkungsphilosophie finden Sie hier:

www.frischerwind.com. bz
 

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