Die Zukunft der abl mitgestalten

Andreas Bättig, Illustration Tino Küng
abl-magazin 06/2021

Eine gemischte Gruppe von interessierten Genossenschafterinnen und Genossenschaftern hat im Rahmen der Gesamtrevision der Statuten online diskutiert, wie die Zukunft der abl aussehen soll. Herausgekommen sind kreative Vorschläge zu Themen wie Nachhaltigkeit, Partizipation, neue Wohn- und Lebensformen oder Diversität.

Dass eine Gesamtrevision der Statuten eine spannende Angelegenheit sein kann, zeigten rund 50 Genossenschafterinnen und Genossenschafter an einem Freitagabend und Samstagmorgen im Mai. Trotz den ersten beiden schönen Sommertagen nahmen sie zu Hause vor ihren Bildschirmen Platz, um gemeinsam online intensiv darüber zu diskutieren, was in die neuen Statuten der abl aufgenommen werden soll. «Unser Ziel ist es, dass wir Ende 2022 breit abgestützte Statuten an die Urabstimmung bringen können und im Rahmen der Mitwirkung zentrale Themen mit interessierten Mitgliedern diskutiert werden konnten», sagte abl-Präsidentin Marlise Egger Andermatt zur Begrüssung. Durch die beiden Tage leitete Paul Krummenacher von der frischer wind AG. Gleich zu Beginn untersuchte er mit einer Umfrage, wie sich die Gruppe der Teilnehmenden zusammensetzte und welche Themen auf Interessen stiessen. Die Durchmischung zwischen Mieterinnen und Mietern, Genossenschaftsmitgliedern ohne abl-Wohnung und Teilnehmenden mit Funktion bei der abl war gleichmässig verteilt. Zwei Drittel waren Männer, ein Drittel Frauen. Knapp ein Drittel wohnte alleine, rund ein Drittel mit einem Partner oder einer Partnerin und ein Drittel mit Partner/-in und Kind(ern). Nur wenige Teilnehmende lebten in einer WG oder wohnten alleine mit Kind(ern).

Wichtiges Thema: bezahlbarer Wohnraum
Gemäss Umfrage als besonders wichtig erschienen den Genossenschafterinnen und Genossenschaftern Themen wie bezahlbarer Wohnraum, Ökologie und Nachhaltigkeit, Durchmischung, Mitgestaltung der Zukunft der abl oder die Genossenschaftsidee. Um einen möglichst regen Austausch zu gewährleisten, hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich in kleinen Gruppen in einzelnen digitalen Räumen zu treffen, um dort gemeinsam zu «brainstormen».

 

Für die Hauptkonferenz zur Statutenrevision Ende Mai nahmen die rund 50 abl-Mitglieder vor ihren Bildschirmen Platz.

Zentrale Fragen als Diskussionsgrundlage
Ihre Ideen hielten sie auf Arbeitsblättern fest, die am Ende den anderen präsentiert wurden. Als Diskussions-
grundlage dienten Fragen wie: «Wie wollen wir in unseren Siedlungen zusammenleben?», «Was ist unser Selbstverständnis als Genossenschafterinnen und Genossenschafter?», «Was beinhaltet die abl-Genossenschaftsidee?», «Wie viel bedeutet uns Solidarität?», «Wofür stehen wir ein?» und «Wie soll die abl wachsen und sich entwickeln?».
Beim Austausch wurden neben Vorschlägen zu den neuen Statuten auch kritische Worte geäussert. Insbesondere bei den Finanzen sahen manche Mitglieder Handlungsbedarf – sei es in Bezug auf die Kostenentwicklung oder die attraktive Verzinsung des Genossenschaftskapitals. Nach zwei intensiven Tagen hatten die Genossenschafterinnen und Genossenschafter acht Themenschwerpunkte erarbeitet, die später in die neuen Statuten mit einfliessen sollen. Diese lauten:

  • Neue Wohn- und Lebensformen
    Neue Wohnformen wie Clusterwohnungen, bei denen Zimmer dazugemietet werden können, sollen auf neue Wohnbedürfnisse eingehen. Auch soll der private Wohnraum zugunsten von gemeinschaftlich genutzten Räumen reduziert werden und der Ausbaustandard überdacht werden. 
     
  • Diversität und Durchmischung
    Nicht nur die Siedlungen sollen mit neuen Wohnformen Raum für neue Lebensformen und Durchmischung schaffen. Auf Diversität soll auch auf allen Stufen und in allen Gremien der Genossenschaft geachtet werden. 
     
  • Günstig wohnen und Gemeinnützigkeit
    Günstiger Wohnraum soll auch in Zukunft erhalten bleiben. Innerhalb der Siedlung soll es verschiedene Preissegmente geben. Initiativen der Bewohnerschaft sollen unterstützt werden. 
     
  • Welche Mitglieder wollen wir?
    Die Verzinsung der Einlagen sollte nicht so attraktiv sein, dass Mitgliedschaften lediglich als Geldanlage dienen. Ein unterschiedliches Mitspracherecht bei Mieter/-innen und Genossenschafter/-innen soll geprüft werden.
     
  • Selbstverwaltung und «Mehr als Wohnen»
    In den Statuten soll verankert werden, dass sich Bewohnende einbringen können. Wie weit kann Selbstverwaltung überhaupt gehen? Welche Gefässe sollen geschaffen werden, damit die Genossenschafterinnen und Genossenschafter auf verschiedenen Ebenen partizipieren können?
     
  • Solidarisch vs. günstig / Genossenschaftsidee
    Unterbelegte Wohnungen sollen freigegeben und neu vergeben werden können. In einem Solidaritätsfonds sollen Mietkosten und Solidaritätsbeiträge transparent abgegrenzt werden. 
     
  • Ökologisch und sozial nachhaltig
    Ökologische und soziale Nachhaltigkeit sollen in den Statuten verankert werden und dem Klimawandel soll so Rechnung getragen werden. 
     
  • Wachstum
    Qualitativ gute Wohnangebote an der Peripherie sollen den Druck in der Zentrumslage minimieren. Die abl soll nicht um jeden Preis wachsen. 



Die weiteren Eckpunkte zur Gesamtrevision der abl-Statuten.

Der Vorstand der abl nimmt die Ideen entgegen. Er wird aufzeigen, wie er Empfehlungen in den Entwurf der Statuten aufnehmen kann und welche Themen und Vorschläge in andere Gefässe oder laufende Prozesse fliessen. Diese Überlegungen legt er am 28. Oktober 2021 allen Interessierten vor und holt sich dazu noch einmal Rückmeldungen ein, bevor er die Statuten fertig ausarbeitet und im nächsten Jahr den stimmberechtigten Mitgliedern vorlegen wird.

Ausstellung mit Ergebnissen 
und weiteres Vorgehen
Die in der Konferenz diskutierten Themen werden am Dienstag und Mittwoch, 22. und 23. Juni 2021, von 14 bis 19 Uhr öffentlich im Gemeinschaftsraum der Siedlung Himmelrich 3 ausgestellt (Eingang im Innenhof). Alle Interessierten, vor allem auch all jene, die aus technischen Gründen nicht an der digitalen Hauptkonferenz teilnehmen konnten, sind herzlich eingeladen, einen Augenschein zu nehmen. Präsidentin Marlise Egger Andermatt ist vor Ort anwesend und nimmt Inputs zu den Themen auf. 
Als nächstes arbeitet der Vorstand einen ersten Statuten-Entwurf mit Fokus auf die Mitwirkung aus. Diesen präsentiert er den Mitgliedern im Herbst an der Ergebniskonferenz, welche am Donnerstag, 28. Oktober 2021, abends stattfindet. Die Ergebniskonferenz steht allen Interessierten offen, hier können Sie sich bereits jetzt anmelden. 

Prozess zur Kostenmiete

Parallel zur Gesamtrevision der Statuten läuft der Mitwirkungsprozess zum komplexen Thema Kostenmiete. Interessiert, auch hier mitzudiskutieren und mitzuentwickeln? Bitte schreiben Sie uns an info (at) abl.ch.

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