Für jede Gelegenheit das passende Gefährt 


Andreas Bättig, Illustration Benjamin Hermann
abl-magazin 01/2022

Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung Weinbergli sollen bald verschiedene Elektro-Fahrzeuge über eine App ausleihen können. Diese neue zentrale «Mobilitätsstation» setzt die abl mit Unterstützung der Albert Koechlin Stiftung um.

Mit dem Elektro-Cargobike rasch in der Leihbar die Popcorn-Maschine abholen, an einem schönen Tag eine Tour mit dem E-Bike machen oder mit dem ­Elektro-Roller zur Drogerie flitzen: Die Bewohnerinnen und Bewohner der Weinbergli-Siedlung sollen schon bald diese Möglichkeiten haben. Die abl errichtet in ­Zusammenarbeit mit der Albert Koechlin Stiftung (AKS) und der Firma Trafiko eine sogenannte Mobilitätsstation. Im Innenhof an der Weinberglistrasse 11, eingangs Geben­eggweg, sollen E-Cargobikes, E-Bikes, E-Roller und ein E-Auto gemietet werden können. Alle Fahrzeuge stehen zentral an einem Ort – reserviert und bezahlt wird über eine einzige App, die hierfür eingerichtet worden ist.


Bedürfnis ausloten
«Wir beobachten das veränderte Mobilitätsverhalten und suchen nach Lösungen, dem gerecht werden zu können», sagt Martin Buob, Geschäftsleiter der abl. Mit der Mobilitätsstation wolle man erste Erfahrungen sammeln, ob eine zentrale Sharing-Plattform einem Bedürfnis entspreche. «Sollte sie rege genutzt werden, können wir uns vorstellen, weitere Mobilitätsstationen in anderen Quartieren einzurichten», so Buob. 

Dass ausgerechnet das Weinbergli als Pionierstandort ausgesucht wurde, ist laut Buob kein Zufall. «In der Innenstadt haben wir mit den Anbietern Mobility und Nextbike Partner mit vielen Fahrzeugen und Stand­orten. Ausserhalb der Stadt ergibt eine Sharing-Plattform wenig Sinn, da die meisten ein eigenes Auto besitzen. Deshalb ist das Weinbergli mit seiner etwas dezentraleren, aber dennoch zentrumsnahen Lage ideal gelegen», sagt Buob.


Ein Pionierprojekt
Initiiert hat die Mobilitätsstation die AKS, die sich unter anderem für eine neue Mobilitätskultur einsetzt. Gemeinsam mit Partnern der Wirtschaft, der öffentlichen Hand und der Zivilgesellschaft will die AKS in den Kantonen Luzern, Nidwalden und Obwalden, Schwyz und Uri konkrete Schritte auslösen, damit sich Menschen bewusster fortbewegen, Fahrzeuge teilen sowie Waren und Personen in überlegter Weise transportieren. Dies soll so klimafreundlich und auf so wenig Fläche wie möglich geschehen, damit natürliche Ressourcen geschont und die Lebensqualität gesteigert werden können. «Mit dem Programm ‹clever unterwegs im Quartier› lädt die AKS Partner ein, Mobilitätsstationen einzurichten, die es Bewohnerinnen und Bewohnern von Quartieren leicht machen, für jede Fahrt das geeignete Fortbewegungsmittel zu wählen», sagt Andreas Merz, Projektleiter Mobilität der AKS. 

Die Mobilitätsstation im Weinbergli ist laut Merz schweizweit die erste ihrer Art. Gerade in Städten und in Agglomerationen seien die Lebensräume geprägt von der Mobilität. «Wenn wir hier insbesondere den Autoverkehr reduzieren können, bleibt mehr Raum zum Leben», sagt Merz. 

Merz sei gespannt, wie die Mobilitätsstation bei den Bewohnerinnen und Bewohnern des Quartiers ankomme. Die Sharing-Mentalität sei bei den Schweizerinnen und Schweizern noch nicht so stark in den Köpfen verankert. Dank des Wohlstands könnten wir uns viele Dinge selbst leisten. «Gerade im Bereich der Mobilität muss uns das gemeinsame Nutzen und Teilen gelingen, wenn wir eine wirklich nachhaltigere Mobilität und mehr Klimaschutz erreichen möchten.»

Die AKS unterstützt die abl bei der Erstellung der Infrastruktur und finanziert die Startphase des Pilotprojekts während der ersten drei Jahre. Mit Gutscheinen erhalten potenzielle Nutzerinnen und Nutzer zusätzlich einen Anreiz, die Angebote der Mobilitätsstation kennenzulernen. Ab dem vierten Jahr liegt die Finanzierung in den Händen der abl.

Niederschwelliger Zugang
Für die konkrete Realisierung der Station ist die Firma Trafiko zuständig, die auf Mobilitätskonzepte für die Zukunft spezialisiert ist. «Es gibt schon einige Sharing-Anbieter. Aber nirgends kommt alles aus einer Hand», sagt Mitinhaber Christoph Zurflüh. Ein weiteres zentrales Element des Projekts sei, dass der ganze Ausleihprozess digital erfolge. Vom Mieten und Bezahlen bis hin zu den Schlössern, die sich digital öffnen lassen, läuft alles digital über eine einzige App. «Der Zugang zur Station muss möglichst niederschwellig sein. Nur so können wir den Leuten das Ausleihen schmackhaft machen», sagt Zurflüh. Wer ein Gefährt ausleiht, schliesst es zum Beispiel selbst direkt wieder für den nächsten Gebrauch an den Strom an.

Attraktiv könne die Station für all jene sein, die die angebotenen Fahrzeuge nur gelegentlich nutzen, meint Zurflüh: «Der tägliche Pendler wird etwa sein eigenes E-Bike kaufen.» Wer aber zum Beispiel Einkäufe transportieren muss oder gelegentlich Verwandte besuchen will, leiht das E-Cargobike oder einen E-Roller aus. 
Im Gegensatz zu vielen anderen Sharing-Diensten soll bei der Mobilitätsstation kein Abo gelöst werden müssen. Bezahlt wird nur für die gemietete Zeitdauer und beim E-Auto zusätzlich die zurückgelegte Strecke. Ab einer gewissen Zeitdauer gilt eine Tagespauschale.

Gutes Bauchgefühl
Dass es Sharing-Angebote wie die Mobilitätsstation braucht, ist gemäss Zurflüh mittlerweile auch bei den Bauherren angekommen, denn Parkplätze zu bauen sei teuer. Und nicht alle bräuchten und wollten ein eigenes Auto. «Wer den Mietern nachhaltige Alternativen bieten kann, hat schon jetzt einen Wettbewerbsvorteil», sagt Zurflüh. Sowohl die abl, die Firma Trafiko als auch die AKS seien gespannt, wie die Mobilitätsstation ankommt. Denn für alle sei klar: Die Ziele beim Klimaschutz müssen wir als Gesellschaft erreichen und den Ausstoss von CO₂ verringern. Die Mobilitätsstation ist eine mögliche Lösung. «Wir setzen alles daran, dass dies gelingt und wir die Bewohner und Bewohnerinnen motivieren und mitnehmen können», sagt abl-Geschäftsleiter Buob. Er habe ein gutes Bauchgefühl.

 

Weitere Informationen unter
 weinbergli.cleverunterwegs.ch

Bald geht es los
Die Installation der Mobilitätsstation dauert ungefähr drei Monate. Folgende Arbeiten sind geplant: 

Januar 2022: Aushubarbeiten

Februar 2022: Fundament, Starkstromzuleitung

März 2022: Aufbau Unterstand, Beschriftung
 und Installation

März 2022: Eröffnung