«Schön, sind wir in der Lage, zu helfen»

Interview Benno Zgraggen
abl-magazin 05/20

Kurzarbeit für Handwerker, Homeoffice, vorerst keine Generalversammlung. Covid-19
hat den abl-Arbeitsalltag geprägt. Geschäftsleiter Martin Buob bemerkt, dass die Auswirkungen teils auch erfreulich waren. 

 

Martin Buob, die abl hat die Massnahmen zur Eindämmung von Covid-19 strikte umgesetzt. Was hat das konkret für den Betrieb bedeutet? 
Wir können uns glücklich schätzen. Die Corona-Krise hat die Arbeiten auf der Geschäftsstelle verhältnismässig wenig eingeschränkt. Die Umstellung auf Homeoffice konnten wir schnell umsetzen. Seit gut sechs Wochen können die allermeisten von zu Hause aus «normal » arbeiten. Die Sitzungen führen wir als Videokonferenz durch. Trotz physisch geschlossenem Empfang beraten wir die Mitglieder weiterhin am Telefon. Einzig für unsere Handwerker mussten wir Kurzarbeit anmelden,
da wir nur noch wenige Reparaturen durchführen konnten und mussten, vor allem die Notfälle. 


Wie sind die Massnahmen bei den Mieterinnen und Mietern angekommen?
Sie haben sich vorbildlich verhalten und sich nur im Notfall gemeldet, das Verständnis war allgemein sehr gross. Ebenso die Solidarität untereinander – es sind schöne Nachbarschaftsinitiativen entstanden. Eine Siedlung hat etwa ein Balkon-Radio organisiert, bei dem die Nachbarn Lieder wünschen durften. 
 

Der Bundesrat hat Ende April 2020 die Lockdown-Massnahmen weiter gelöst, was heisst das für die abl? 
Wir werden die Geschäftsstelle voraussichtlich am 11. Mai 2020 wieder öffnen – unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Hier gilt: Nur eine Kundin, ein Kunde aufs Mal und das Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln. Der Grossteil der Angestellten wird bis auf Weiteres im Homeoffice bleiben und die meisten Sitzungen werden per Videokonferenz abgehalten. 


Wann nehmen die abl-Handwerker den Vollbetrieb wieder auf?
Reparaturen werden momentan nur zurückhaltend gemeldet. Ebenfalls haben wir festgestellt: Viele haben grossen Respekt, unser Personal in ihrer Wohnung zu empfangen, trotz Abstands- und Hygienemassnahmen. Ein Vollbetrieb von heute auf morgen wird deshalb nicht möglich sein. Wir versuchen, diesen langsam hochzufahren, indem wir wieder kleinere Reparaturen behandeln. Hier bitten wir jedoch weiterhin um Geduld. Zuerst kommt der Notfall, dann alles Weitere, je nach Ressourcen, die zur Verfügung stehen. Wir geben unser Möglichstes. 

Das Thema Mietzinsreduktion wurde in den Medien intensiv diskutiert, vor allem in Bezug auf Gewerbeliegenschaften. Wie ist hier die Haltung der abl?
Wir sind in der Lage als grosse Genossenschaft, Menschen in Not zu unterstützen. Das haben wir mitunter mit einem Teilerlass der Mietzinsen umgesetzt. Die meisten Anfragen kamen von unseren Gewerbemieterinnen und -mietern in diversen Siedlungen. Sie sind stark von den Massnahmen des Bundes betroffen. 


Gibt es schon Hinweise, wann die Generalversammlung durchgeführt wird?
Wir sind daran, einen geeigneten Termin zu finden. Die Generalversammlung soll ordnungsgemäss abgehalten werden können. Heute gehen wir von einem Zeitpunkt nach den Herbstferien aus. Wir warten aber noch mit einer definitiven Entscheidung. 


Was ist Ihr Fazit, das Sie bisher aus dieser Krise ziehen können?
Ich habe den Eindruck, die Menschen in unserer Genossenschaft sind näher zusammengerückt, das berührt mich sehr. Es freut mich, dass wir als Genossenschaft in Not geratenen Menschen helfen können. An dieser Stelle möchte ich auch ein Kompliment an unsere Mitarbeitenden richten: Sie haben den Schritt Richtung «Digitalisierung» ihres Arbeitsalltags gut gemeistert und tragen trotz Distanz gut zueinander Sorge. Was unsere aktuellen Bauprojekte betrifft, bin ich zuversichtlich, dass sich die Termine trotz Einschränkungen nur unwesentlich verschieben. Persönlich hoffe ich, dass die Solidaritätswelle, die vielen kreativen Ideen oder die Nachbarschaftshilfe nach der «Corona-Zeit» erhalten bleiben. Sie tragen zu einem besseren Leben bei.