Genossenschaftskultur
24 Pfoten für den Böshüsliweg
Chili, Curry, Dakota, Lenny, Nuria und Yvi heissen die sechs Gründe, warum der Böshüsliweg gerne auch Mal «Liebhündliweg» genannt wird. Sie sind sechs von über 22000 gemeldeten Hunden im Kanton Luzern und bei der abl genauso zu Hause wie die Menschen.

An einem normalen Nachmittag sind im Böshüsliweg mehrere Hunde gleichzeitig unterwegs. Leinen kreuzen sich, Schwänze wedeln, es wird geschnuppert, gewartet, weitergezogen. Wenn Chili, Curry, Dakota, Lenny, Nuria und Yvi unterwegs sind, kommen 24 Pfoten zusammen. Kein Wunder, wird der Böshüsliweg im Quartier augenzwinkernd auch «Liebhündliweg» genannt. Hier gehört das leise Klacken von Krallen auf Asphalt oder ein kurzes Bellen ebenso dazu wie das Kinderlachen vom Spielplatz oder das Klirren von Geschirr aus offenen Küchenfenstern.

Sechs Hunde in einer Strasse, das fällt selbst im Kanton mit vielen Hundeliebhaber*innen auf. Spaziergänge werden öfter zu kleinen Treffpunkten und ein kurzes Grüezi entwickelt sich schnell mal zu einem bereichernden Austausch. Für die Hundehalter*innen im Böshüsliweg bringt die Nähe zudem einen ganz praktischen Vorteil: Wer kurzfristig wegmuss oder länger arbeitet, findet meist jemanden, der das Hüten des Vierbeiners übernimmt. Eine, die dieses Leben besonders gut kennt und uns davon erzählt, ist Christine Reusser.
Ein Tag mit Lenny
«Ein Leben ohne Hund könnte ich mir gar nicht mehr vorstellen», meint Christine Reusser. Seit vier Jahren wohnt sie im Böshüsliweg. Gemeinsam mit ihrem Partner hält sie zwei Riesenschnauzer: Lenny und Chili. «Hier ist alles nah: der Wald, der Bus, der Hundepark und nachts ist es herrlich still. Ich lebe in der Nähe meines Partners und Chili und habe trotzdem meine eigenen vier Wände.»
Christines Tag beginnt nicht mit dem ersten Kaffee, sondern mit einem Blick auf zwei wache Augen. Lenny wartet schon und will raus – egal ob es regnet oder die Sonne scheint, egal ob das Thermometer Minusgrade anzeigt oder nicht. Ein Leben mit Hund heisst ein Leben im Rhythmus eines Tieres, das Bewegung, Aufmerksamkeit und Nähe braucht.
Lenny darf Christine auch zur Arbeit begleiten. Zwischendurch geht es nach draussen, für kurze Spaziergänge, frische Luft und kleine Trainingssequenzen. «Auch wenn mein Arbeitstag vollgepackt ist mit Terminen, bin ich immer auch unterwegs mit Lenny», sagt Christine Reusser. Nach Feierabend geht’s nach Hause. Es warten weitere Spaziergänge, Übungen und dabei vielleicht spontane Begegnungen im Quartier.
Fordern und fördern
Gerade ein Riesenschnauzer braucht neben der körperlichen Bewegung auch geistige Auslastung. Konzentrationsübungen und Nasenarbeit fordern ihn auf eine andere Weise als ein langer Spaziergang. An ihren freien Tagen besuchen Christine und Lenny deshalb verschiedene Kurse. Die beiden arbeiten an Themen wie der Unterordnung, an Gehorsam und Zusammenarbeit. Besonders zur Geltung kommt der grosse Vierbeiner bei der Fährtenarbeit, wo er lernt, menschlichen Geruchsspuren zu folgen.
«Mit einem Hund kommt viel Verantwortung», sagt Reusser. Er hat Bedürfnisse, Ansprüche und seinen eigenen Charakter. «Dein Hund verlässt sich blind auf dich. Damit muss man umgehen können.»
Mehr als ein Haustier
Spricht Christine von Lenny, rückt diese Verantwortung jedoch in den Hintergrund. Dann erzählt sie von den leisen Glücksmomenten einer Hundehalterin; vom gemeinsamen Liegen auf dem Sofa und von seinem erwartungsvollen Blick zum Kleiderschrank, wo die Spielzeuge liegen. «Dann weiss ich genau, jetzt will er Seich machen», schmunzelt sie. «Und du kannst ein komischer Brummli sein und der Hund ist trotzdem bei dir.» Diese bedingungslose Liebe berührt und verbindet Hundehalter*innen auf der ganzen Welt.
Zusammenleben braucht Respekt
Dass nicht alle Menschen so vernarrt in Hunde sind, manche sogar panische Angst vor ihnen haben, ist Christine klar: Rücksicht beginnt bei ihr selbst. Im Quartier bleibt Lenny konsequent an der Leine, Hinterlassenschaften werden selbstverständlich entfernt. Wirkt jemand unsicher, nimmt sie ihn eng zu sich oder lässt die Person passieren. «Auf Menschen, die sich vor Hunden fürchten, muss man Rücksicht nehmen.»
Sie erinnert sich noch daran, dass eine Nachbarin Respekt vor dem grossen Schnauzer hatte. Im engen Treppenhaus wurde es so schnell unangenehm. Reusser reagierte, nahm Lenny ab sofort jeweils dicht zu sich und schuf Abstand. Heute ist Vertrauen da und sie können einen Schwatz halten, auch wenn Lenny daneben steht.
Christine Reusser weiss, dass es leider Hundehalter*innen gibt, die weniger Rücksicht nehmen und Regeln weniger genau nehmen. «Dass man daher Hundebesitzer*innen mit Skepsis begegnet, verstehe ich deshalb sogar sehr gut», sagt sie. Umso wichtiger sei es, Tag für Tag zu zeigen, dass es auch anders geht.
Wie bei allen Themen gilt auch hier: «Man muss miteinander reden, wenn etwas stört oder irritiert.» Der Blick in den Böshüsliweg zeigt erneut: In einer Genossenschaft existieren viele Lebensrealitäten nebeneinander: Familien mit kleinen Kindern, Menschen mit unregelmässigen Arbeitszeiten, Musikbegeisterte, Tierhalter*innen. Dabei hat alles seinen Platz. Ein verantwortungsvoller und verständnisvoller Umgang miteinander bildet die Grundlage für ein gutes Miteinander.
Haustiere bei der abl
Egal ob Zwerghamster oder Riesenschnauzer: Haustiere sind bei der abl grundsätzlich erlaubt. Wir bitten Sie jedoch, Ihr Haustier beim oder bei der zuständigen Bewirtschafter*in vorab anzumelden.


























































































