Du hast fast 32 Jahre bei der abl gearbeitet – eine sehr lange Zeit! An was denkst du gerne zurück?
Ich werde mich an eine dynamische abl erinnern. Baulich ist in dieser Zeit sehr viel passiert. Wir konnten viel erneuern und viele tolle Projekte realisieren. Das genossenschaftliche Ja zu den Projekten bei Abstimmungen war für mich ein grosser Auftrag. Und die Mietenden haben viel mitgemacht: Sie haben Dreck, Lärm, Staub hingenommen, sich im genossenschaftlichen Sinne nicht beschwert. All dies hat mich immer wieder motiviert. Wir konnten viel bewegen und unsere Arbeit wurde immer sehr geschätzt, das Vertrauen war spürbar. Da konnte ich persönlich sehr viel profitieren.
Schwingt hier auch ein wenig Wehmut mit?
Nun, heute ist Bauen viel aufwendiger und deshalb auch teurer geworden, was sich leider negativ auf die Mietzinse auswirkt. Alles braucht viel mehr Vorlaufzeit, mehr Zeit für Bewilligungen. Man ist verständlicherweise vorsichtiger geworden. Trotzdem: Entwickeln und Wachsen hat auch mit Risiko zu tun. Ich bin damals angestellt worden, um etwas zu bewirken. Das konnte ich tun, das war mir wichtig. Bis heute.
Hast du noch den Überblick über all die realisierten Projekte?
Ja, da ist einiges zusammengekommen über all die Jahre! Dies aufzuzählen bis ins letzte Detail würde den Rahmen unseres Gesprächs sprengen. Ich habe für mich mal einen Zeitraum Revue passieren lassen, rein aus finanzieller Sicht. Seit der Erneuerung und Erweiterung der Siedlung Breitenlachen 2004, damals für CHF 35 Millionen bis heute rund CHF 500 Millionen verbaut. Ohne Zukäufe sind das durchschnittlich 25 Millionen für Bautätigkeit pro Jahr.
Gibt es aus deiner Sicht «goldene Baumomente»?
Zuallererst möchte ich hier die Zusammenarbeit mit dem abl-Bauteam erwähnen, verbunden mit einem grossen Dankeschön. Jedes Bauprojekt hat seinen eigenen Reiz, darum ist das schwierig zu sagen. Was mich rückblickend sehr freut ist, dass wir viel früher als andere angefangen haben, auf alternative Energien zu setzen – und zwar mit der ganzen verfügbaren Palette an Photovoltaik- und Solaranlagen, mit Grundwasser- oder Erdwärme. Heute ist das Standard. Die abl war und ist offen für individuelle und unkonventionelle Lösungen beim Bauen. Auch spannend war, die städtebauliche Entwicklung und entsprechend die Entwicklung in unseren Siedlungen mitzuerleben. Ich durfte mit vielen Architekturbüros, mit Stadtarchitekten, mit den Behörden und Unternehmen zusammenarbeiten. Es war schön zu sehen, dass so viele auf ihre eigene Art und Weise, mit ihrem eigenen Know-how zum Erfolg unserer Projekte beigetragen haben.
Und wo wird man dich nun antreffen, nach deiner Zeit bei der abl?
Schon während meiner Teilpensionierung habe ich das Mehr an Freizeit genossen und war viel unterwegs, auch draussen in der Natur. Das wird nun noch einmal mehr. Eine To-do-Liste existiert zwar, jedoch sind meine Frau und ich offen und spontan unterwegs. Jetzt gilt es zuerst mal das Projekt an der oberen Bernstrasse fertigzustellen, danach nehme ich alles «voräwäg».
Zu guter Letzt: Was wünschst du dir für die Zukunft der abl?
Zuallererst möchte ich mich bei allen Genossenschafter*innen bedanken für das entgegengebrachte Vertrauen in unsere Arbeit. Ich wünsche der abl für die Zukunft, dass sie offen und mutig bleibt und sich nicht beirren lässt auf ihrem Weg. Die Stadt braucht mehr preisgünstigen Wohnraum, da ist die abl eine ideale Partnerin.