Die Zelte, die ein paar Tage zuvor im strömenden Regen aufgebaut wurden, hätte es nicht gebraucht. Es war die erste und zugleich erfreulichste Erkenntnis der grossen Jubiläumsfeier: Das Wetter spielte perfekt mit, es war sonnig und nicht zu heiss. Damit stand einem langen Fest im Innenhof des Himmelrich 3, auf der Claridenstrasse und im angrenzenden Bleichergärtli nichts mehr im Weg.
Ebenso angenehm: Die abl feierte zwar einen stolzen Geburtstag, aber es war in erster Linie ein Fest für die Bevölkerung. Das zeigte sich darin, dass alle von der abl mit anpackten, sei es beim Depotstand oder Aufräumen spät am Abend. Und das bewies auch das Programm, das den offiziellen Teil mit Glückwünschen und Huldigungen sympathisch knapp hielt, dafür umso mehr Platz liess für Musik, Wortkunst und Spiel.
Den Auftakt machte nach der GV und einem ersten Set des Quartetts «belle affaire» abl-Präsident Marcel Budmiger. Er erinnerte in seiner Festrede an die 50 mutigen Menschen aus der Arbeiterbewegung, die vor 100 Jahren entschlossen gegen die Wohnungsknappheit aktiv wurden und die abl gründeten. Die visionäre Idee von damals habe bis heute Bestand und die abl sei mit ihren inzwischen fast 15'000 Mitgliedern zur Grossfamilie geworden. «Wir können stolz sein, dürfen uns aber nicht ausruhen», sagte Budmiger angesichts der ökologischen, gesellschaftlichen und wohnungspolitischen Herausforderungen. Er versprach: Die abl werde sich weiterhin für Menschen und nicht für Profite einsetzen.
Die abl, eine «rüstige Urgrossmutter»
Stadtpräsident Beat Züsli, einst selbst in der abl-Siedlung Breitenlachen wohnhaft, betonte die zentrale Rolle der abl nicht nur in der Wohnpolitik, sondern auch in der Gestaltung von Aussenräumen. Günstiger Wohnraum sei in Luzern immer noch zu knapp und die abl die wichtigste Partnerin, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Züsli wünschte der abl, dass diese trotz des beachtlichen Alters «jung und attraktiv bleibt». Seine Parteikollegin und Regierungsrätin Ylfete Fanaj, die einst in der Siedlung Weinbergli wohnte, verglich die abl mit einer rüstigen und umtriebigen Urgrossmutter. «Ihre Werte haben bis heute Gültigkeit.» Vom Einsatz für lebenswerte Quartiere und der gemeinsamen Verantwortung profitiere letztlich die gesamte Bevölkerung, so Fanaj.