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12. August 2026
meine.abl: Tauschen und verkaufen in der Mieterschaft
Das Kinderfahrrad ist zu klein geworden, die Bohrmaschine könnte eigentlich geteilt werden oder Sie suchen kurzfristig eine Person, die auf Ihren Wellensittich aufpasst?
In der Waschküche, auf dem Spielplatz oder im Treppenhaus: In einer vielfältigen Nachbarschaft treffen Menschen mit unterschiedlichen Sprachen aufeinander. Nicht immer versteht man sich sofort, doch dank neuer Technologien ist es möglich, dass trotzdem Gespräche entstehen. Manchmal etwas holprig, oft überraschend unkompliziert und gelegentlich sogar mit einem Lachen auf beiden Seiten.
Dienstagabend, kurz vor sieben. Zwei Nachbar*innen stehen vor dem Waschplan. Die eine möchte ihre Waschzeit tauschen, der andere versteht nur einzelne Wörter. «Morgen? Vielleicht?», sagt er und zuckt entschuldigend mit den Schultern. Sie lächelt, holt ihr Smartphone hervor, öffnet die Google-Translate-App und spricht einen Satz ins Mikrofon. Sekunden später ertönt eine Stimme in einer anderen Sprache aus dem Lautsprecher. Er strahlt, nickt und streckt den Daumen in die Luft. Problem gelöst.
Solche Szenen spielen sich heute immer häufiger ab. Nicht nur in der Waschküche, sondern auch auf dem Spielplatz, im Velokeller oder vor dem Briefkasten. Die Nachbarschaft wird vielfältiger, und mit ihr die Sprachen, die gesprochen werden. Manchmal fehlen dem Gegenüber die passenden Worte. Manchmal sucht man selbst nach der richtigen Formulierung. Und manchmal hilft die Technik.
Neue Technologien nutzen
Übersetzungsprogramme wie Google Translate, DeepL oder Microsoft Translator können längst mehr als einzelne Wörter nachschlagen. Sie übersetzen Gespräche in Echtzeit und lesen die Sätze auf Wunsch laut vor. So entsteht ein Dialog, auch wenn beide Personen keine gemeinsame Sprache sprechen.
Praktisch wird es auch dort, wo es nicht um Gespräche geht: Ein Aushang im Treppenhaus, ein Brief der Verwaltung oder die Gebrauchsanleitung für die Waschmaschine lassen sich fotografieren. Das Smartphone mit zum Beispiel Google Translate erkennt den Text auf dem Foto und übersetzt ihn innert Sekunden. Manche Programme blenden die Übersetzung sogar direkt über das Original ein. Was früher mühsam abgetippt werden musste, geschieht heute fast nebenbei.
Auch künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten. Wer einen komplizierten Brief erhält, kann sich den Inhalt in einfacher Sprache erklären lassen. Oder eine Antwort formulieren, die anschliessend in die gewünschte Sprache übersetzt wird. So entstehen nicht nur Übersetzungen, sondern oft auch mehr Sicherheit im Umgang mit Formularen oder amtlichen Schreiben.
Alle profitieren
Davon profitieren nicht nur Menschen, die erst seit Kurzem in der Schweiz leben. Vielleicht möchte ein älterer Bewohner seiner ukrainischen Nachbarin erklären, wo sich der Trockenraum befindet. Vielleicht sucht eine Mutter nach den richtigen Worten, um einem portugiesischsprachigen Vater mitzuteilen, dass sein Sohn den Ball auf dem Spielplatz vergessen hat. Oder jemand möchte verstehen, was auf einem fremdsprachigen Flyer angekündigt wird. Sprachbarrieren verlaufen nicht nur in eine Richtung.
Verständigung wird einfacher. Nicht, weil plötzlich alle dieselbe Sprache sprechen, sondern weil technische Hilfsmittel den ersten Schritt erleichtern und sie dabei helfen, dass Menschen miteinander statt nebeneinander leben. Vielleicht beginnt das mit einer Frage in der Waschküche. Und endet mit dem guten Gefühl, verstanden worden zu sein.
Diese Apps helfen weiter
Moderne Übersetzungs-Apps helfen, Sprachbarrieren im Alltag schnell zu überwinden. Google Translate übersetzt Text, Sprache und Bilder in über 100 Sprachen. Besonders praktisch ist die Kamerafunktion: Schilder, Briefe oder Aushänge werden direkt auf dem Bildschirm übersetzt. DeepL gilt als besonders präzise bei geschriebenen Texten und eignet sich gut für längere Briefe oder Dokumente. Microsoft Translator bietet neben Text- und Sprachübersetzung auch Gruppendialoge in Echtzeit, etwa für Gespräche mit mehreren Personen. ChatGPT kann Texte übersetzen, erklären, vereinfachen oder beim Formulieren von Antworten helfen – besonders nützlich bei komplexen Inhalten oder amtlichen Schreiben.
| Rubrik | Zusammenleben |
| Ausgabe | 08/2026 |
| Text | Nathalie Müller |
| Illustration | Tino Küng |
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