Vom Regen unbeirrt führte Hansruedi Hitz die Expedition u.a. zur Spreuerbrücke, dem Reussinsel-Uferweg entlang zur Viscosistadt und der Kleinen Emme mit hohem Wasserstand folgend zur Emmenweid, wo sich zum Abschluss die Sonne zeigte.
... die Reussinsel von Industrie-Pionieren gegründet wurde?
Heute ist die Reussinsel vor allem durch ihr attraktives Wohnungsangebot bekannt. Tatsächlich hat aber auch sie ihren Ursprung in der Industrie. Entstanden ist die Reussinsel 1832, als die Mechanische Werkstätte Meyer die Erlaubnis erhielt, die Sandbank unter dem St.-Karli-Gebiet zu befestigen und mit einem Kanal zu erweitern. Nach der Geburtsstunde der Reussinsel zog es zahlreiche erfolgreiche Industriebetriebe in die Gegend. Darunter die Gebrüder Von Moos, die im Südteil der Insel einen Drahtzug sowie eine Stifte- und Nagelschmiede errichteten. Weitere Unternehmen, die sich auf der Reussinsel niederliessen, waren die Diamantenschleiferei Eduard Drexler oder die Holztypenfabrik Roman Scherer. 1874 gründeten Robert Schindler und Eduard Villiger eine mechanische Werkstätte auf der Reussinsel – ehe sie neun Jahre später in die Sentimatt zogen (siehe oben).
... die Viscosuisse dereinst über 5 000 Angestellte zählte?
Die Viscose schrieb seit 1906 Industriegeschichte in Emmenbrücke. Während 50 Jahren wurden in Emmenbrücke vor allem Kunstseide und Zellwolle produziert. Später kamen hochfeste Viscose-Filamentgarne für die Reifenindustrie sowie Nylon- und Polyestergarne dazu. 1973 befand sich die Viscosuisse auf ihrem Höhepunkt: Mit 5 500 Angestellten und einem jährlichen Produktions-volumen von fast 55 000 Tonnen war sie die grösste Arbeitgeberin der Region. In den nachfolgenden Jahrzehnten gingen die Produktionszahlen stetig zurück. Heute ist die Viscosistadt als neues Kreativzentrum der Region bekannt. Auf einer Fläche so gross wie die Altstadt Luzern bietet die Viscosistadt Raum für Wohnen, Arbeiten, Bildung und Kultur. Seit Sommer 2016 ist die Hochschule Luzern – Design & Kunst in den alten Industriegebäuden an der Kleinen Emme untergebracht.Nebst den drei erwähnten Stationen machte die Wandergruppe Mitte Mai auch am Mühleplatz, bei der Reussthalmauer, am Seetalplatz sowie bei der Stahlindustrie auf der Emmenweid beim Littauerboden Halt. Und überall erzählte Hansruedi Hitz spannende Hintergrundinformationen. Dass die Expedition letztlich rund eine Stunde länger dauerte als geplant, schien die Teilnehmenden nicht zu stören – im Gegenteil: Erstens folgten sie den Ausführungen von Hansruedi mit grossem Interesse und zweitens zeigte sich just zum Ende der Wanderung noch einmal die Sonne am Himmel.