Angenommen, mitten in der Stadt wird eine neue Siedlung geplant. Auf was sollten die Verantwortlichen vor allem achten?
In erster Linie das Potenzial ausloten und dann vollständig ausnutzen. Dabei unter anderem die Lage und die Himmelsrichtungen beachten: Wo führen Hauptstrassen durch, wo hat es andere Lärmquellen? Wie sehen die Tag- und Nachtnutzungen der Wohneinheiten aus? Wenn zum Beispiel ein Balkon gegen Süden, aber auf den geräuschvollen Bahnhofplatz gerichtet ist, kann das durchaus aufgehen: Der Balkon ist besonnt und die Mieter und Mieterinnen haben die Möglichkeit, das bunte Treiben zu beobachten. In der Nacht werden Balkon und Bahnhofplatz viel weniger genutzt und es ist ruhiger. Optimal ist, wenn jede Wohnung mindestens einen ruhigen Rückzugsort hat, folglich sollten Schlafzimmer nicht auf die Strassenseite hin geplant werden. Die «leise Seite» eines Gebäudes sollte dann auch tatsächlich ruhig gehalten werden. Weder eine Tiefgarageneinfahrt noch eine Anlieferung oder eine Wärmepumpe gehören hierhin. Die Bauherrschaft berücksichtigt im besten Fall sämtliche potenziellen Störwirkungen von Lärm und nicht nur die Grenzwerte. Übrigens sollte die «leise Seite» auch gut klingen, denn leise allein macht nicht glücklich. Das nennt sich Klangraumgestaltung, zum Beispiel von Innenhöfen. Begrünt, vielleicht mit Wasserflächen und Vogelhäuschen, wo Mensch und Tier sich trotz oder gerade wegen den angenehmen Geräuschen wohlfühlen.
Mit welchen baulichen Massnahmen kann als unangenehm empfundener Lärm verhindert oder mindestens reduziert werden?
Im Aussenraum sind Massnahmen beschränkt und mässig wirksam: zum Beispiel lärmarme Beläge, Geschwindigkeitsreduktionen, Lärmschutzwände. Die beste Wirkung haben Bauten, die als Lärmriegel gestaltet sind und so eine wirklich leise, vollständig lärmabgewandte Fassade haben. Um den Lärm innerhalb eines Gebäudes zu reduzieren, braucht es gute Fenster, genügend dicke Mauern, Schalldämmung zwischen den Nutzungseinheiten sowie akustische Entkoppelungen gegen den Trittschall.
Wie unterscheiden sich Neubauten in der Stadt von solchen auf dem Land?
Auf dem Land hat es mehr Platz und Potenzial und lärmabgewandte Seiten sind häufiger auszumachen. In der Stadt hat es meist von überall her ein bisschen Lärm. Auf dem Land wird mehr Qualität gefordert, denn die Leute erwarten, dass es auf dem Land ruhig ist. Stimmt die Qualität nicht, führt das zu häufigeren Mieterwechseln, denn man ist weniger standortgebunden. Das ist in einer Stadt wie zum Beispiel Zürich anders. Dort kann jeder Schopf vermietet werden, auch wenn es da laut und teuer ist. Ausschlaggebend ist da die Wohnungsknappheit.