Die Entwicklung der Wohnungstypologien bei der abl zeigt, wie eng Architektur und Zeitgeist verwoben sind. Ein Blick zurück auf kompakte Anfänge, grosszügige Boomjahre und den Schritt in die Zukunft.

Kanonenstrasse 5 und 7, 2. OG, Baujahr 1928–29 — Schmale Korridore, geschlossene Küchen und kompakte Wohnungen; das waren die abl-Anfänge.

Wer die Geschichte der abl verstehen will, blickt auf ihre Grundrisse. Mehr als die Hälfte der Wohnungen wurden zwischen den 1920er- und 1960er-Jahren gebaut und seither durch gezielte Sanierungen erhalten. 

Aus der Not werden Wohnungen gebaut
Als die abl in den 1920er-Jahren startete, stand das gesunde, familienfreundliche Wohnen im Vordergrund. In ersten Siedlungen wie dem Himmelrich 1 entstanden kompakte 2- bis 5-Zimmer Wohnungen von 65 bis 85 m². Typisch waren schmale Korridore, geschlossene Küchen sowie Fokus auf Licht, Luft und Hygiene. Revolutionär für damalige Verhältnisse: Die abl baute die Nasszellen direkt in den Wohnungen statt auf der Etage. In den späteren Krisenjahren schrumpften die Flächen – so in der Siedlung Spannort. Laut Bundesamt für Statistik findet man in diesen Baujahren (1946 – 1970) mit durchschnittlich 41.3 m² die geringste Wohnfläche pro Person.

Die typische Schweizer Familie
In den 1960er-Jahren lebte die Mehrheit in klassischen Familien mit zwei bis drei Kindern. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung in dieser Ära entstand in den Städten eine grosse Nachfrage nach Arbeitskräften, was rasch zu einer akuten Wohnungsknappheit führte. Die abl reagierte mit dem Bau von Grosssiedlungen wie Studhalden und Brunnmatt. Für den Platzbedarf der Familien standardisierte sich die 3- bis 4-Zimmer-Wohnung mit ca. 70 bis 90 m². Die Grundrisse blieben kompakt und die Zimmer oft gleich gross, doch der Komfort wurde flächendeckend: Einbaubäder, Wandschränke, funktionale Zeilenküchen, die Badewanne und Kühlschrankanschlüsse gehörten zum guten Ton.

Wohlstandswelle
Ab den 1980er-Jahren erlebte die Gesellschaft eine rasante Individualisierung. Wohnen wurde zum Ausdruck von Lifestyle. Die abl reagierte etwas verzögert mit dem Bau vom Mittlerhusweg und der Tribschenstadt. Typisch für diese Epoche sind die 80 bis 120 m² für 3- bis 4-Zimmer-Wohnungen. Offene Wohn- und Essbereiche ersetzten die alten Küchentüren, einladende Entrées empfingen die Bewohner*innen und Reduits schufen Stauraum. Grössere Wohnungen erhielten standardmässig zwei Nasszellen und ein Gästezimmer. Auch im Aussenraum stieg der Komfort durch grosse Grünflächen und moderne Gemeinschaftseinrichtungen.

Platz für alle
Auch heute gibt es wieder zu wenig zahlbaren Wohnraum. Doch was bremst preisgünstiges Bauen und somit Wohnen aus? Die Bürokratie der diversen Bewilligungsverfahren, strenge Vorschriften, hohe Komplexität und viele Einsprachen sind ein Teil der Erklärung einer tiefen oder zumindest verlangsamten Bautätigkeit. Zum anderen darf seit der Revision 2014 kein neues Bauland mehr eingezont werden – das macht den bestehenden Boden teuer und zwingt zur Verdichtung. Das ist komplexer als das Bauen auf der grünen Wiese.

Da der reine Flächenverbrauch der grösste Preistreiber beim Bauen ist, muss genau hier gespart werden, um die Mietzinse zu entlasten. Die abl reagiert auf diese neue Realität mit flächenoptimierten Grundrissen: Anstatt starrer, riesiger Wohnungen geht die Tendenz bei neuen Projekten wie der Industriestrasse zurück zu kleineren, privaten Quadratmetern. Diese Räume sind anpassungsfähig gestaltet, damit sie der Komplexität und Vielfalt unserer modernen Gesellschaft gerecht werden.

Der Fokus verschiebt sich damit vom privaten Raum hin zu den Gemeinschaftsflächen, wodurch Nachhaltigkeit auf allen Ebenen gelebt wird – ökologisch, sozial und wirtschaftlich. Den Komfortverlust in den eigenen vier Wänden gleicht man aus, in dem man Räume teilt: Grosszügige Gemeinschaftsküchen, Co Working-Spaces und flexibel buchbare Zumietobjekte (Jokerzimmer) halten den Wohnkomfort hoch, während die Kosten für die Mietenden stabil bleiben.

Anna-Neumann-Gasse 8, EG, Baujahr 2006 — Offener Wohn- und Essraum mit elegantem Eingangsbereich in der Tribschenstadt.

Wie wollen Sie bei der abl in Zukunft wohnen?

Am diesjährigen Genossenschaftsforum möchten wir von Ihnen erfahren, welche Wohnformen in unserer Genossenschaft künftig stärker vertreten sein sollen – von Familienwohnungen über Clusterwohnungen und Mehrgenerationenwohnen bis hin zu gemeinschaftlichen oder altersgerechten Wohnangeboten.

Die abl freut sich darauf, Sie am Genossenschaftsforum 2026 zu begrüssen:

Samstag, 28. November 2026, 13.00 bis ca. 18.00 Uhr
Weitere Informationen und Anmeldung: abl.ch/gf