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12. August 2026
Wenn das Nachtleben ausufert, Fussballfans randalieren oder im öffentlichen Raum viel Abfall herumliegt, kommt Christian Wandeler, Sicherheitsmanager der Stadt Luzern, ins Spiel. Er vermittelt und motiviert für ein besseres und konfliktfreieres Zusammenleben.
Christian Wandeler, im Bleichergärtli steht ein Plakat, das die Menschen um Rücksicht, gegenseitigen Respekt und ein Miteinander bittet. Die Verhaltensregeln lassen darauf schliessen, dass es mit der sichtbarer werdenden Drogenszene zu tun hat.
Ja, unter anderem. Bei der Stadt Luzern haben sich in den letzten Wochen Meldungen betreffend das Bleichergärtli gehäuft. Bei den Meldungen geht es oft um die Präsenz von Drogenkonsumierenden, die sich auf dem Platz aufhalten und durch ihr Verhalten Verunsicherungen auslösen. Neben dem Konsum von Drogen , meistens ist es Crack, fallen die Leute zum Beispiel durch Lärm, Geschrei und Littering auf. Dies nicht nur am Tag, sondern vermehrt auch in den Nachtstunden. Auch die WC-Anlage wird von den Konsumierenden am Abend und in der Nacht oft in Beschlag genommen. Aber es gibt auch Meldungen, dass der Platz nachts immer wieder als Party-Location benutzt wird. Laute Musik, Grillieren und Menschenansammlungen werden dabei festgestellt.
Die Drogenszene hat sich in der ganzen Stadt verändert. Was ist Ihre Einschätzung?
Die Drogenszene ist tatsächlich vermehrt sichtbar. Der Konsum hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Mittlerweile konsumiert der grösste Teil der Drogenszene Crack. Die Wirkung von Crack hält nur wenige Minuten und der Drang für den nächsten Konsum ist riesig. Entsprechend ist der Tagesablauf der Konsumierenden von «Geld auftreiben – Drogen besorgen – Konsumieren» dominiert. Die Szene scheint so pausenlos in Bewegung zu sein. Der Konsum kann einfach und ohne grossen Aufwand erfolgen. Entsprechend nehmen wir immer häufiger wahr, dass mittlerweile an vielen Orten Crack geraucht wird – auch an Orten, die nicht als «klassische» Konsumplätze bekannt sind. Der intensive Crack-Konsum schlägt sich auch auf den Gesundheitszustand der Konsumierenden nieder. Die Menschen vergessen zu essen, zu trinken, sich zu waschen oder gar zu schlafen. Diese Bilder nehmen wir vermehrt im öffentlichen Raum wahr – konsumierende Menschen in einem schlechten Gesundheitszustand.
Wie reagieren Sie in Ihrer Funktion und die Behörden darauf?
Zusammen mit dem Kanton Luzern hat die Stadt Luzern auf diese Situation reagiert und eine Crack-Strategie erarbeitet. Um den öffentlichen Raum zu entlasten und den Gesundheitszustand der Konsumierenden zu stärken, wäre ein legitimierter Aufenthaltsplatz im öffentlichen Raum wichtig. Hier könnten sich die Konsumierenden nach der abendlichen Schliessung der «GasseChuchi» beaufsichtigt aufhalten. Diese Massnahme aus der Crack-Strategie wird aktuell mit Hochdruck verfolgt.
Suchtbetroffene Menschen sind Teil unserer Gesellschaft und gehören zu unserem Stadtbild. Dennoch, wo liegt Ihre Grenze beim Zusammenleben?
Für uns ist es im Austausch mit der Bevölkerung immer wieder wichtig zu betonen, dass diese Menschen auch zu unserer Gesellschaft gehören und wir sie nicht einfach aus dem öffentlichen Raum verbannen können. In der Stadt Luzern handhaben wir es so, dass Personen weggeschickt werden, wenn ein Platz seinen Zweck nicht mehr erfüllen kann und klar illegale Aktivitäten stattfinden, zum Beispiel Drogenkonsum und Dealen. Vor allem bei grösseren Plätzen ist das herausfordernd, da auch gleichzeitig bedacht werden muss, wohin sich eine Szene verschiebt, wenn sie durch hohen polizeilichen Druck weggedrängt werden.
Zur Person
Christian Wandeler leitet seit 2020 die Stelle für Sicherheitsmanagement der Stadt Luzern. Der ausgebildete soziokulturelle Animator war zuvor unter anderem Stellenleiter der Fanarbeit Luzern und Geschäftsführer der Fanarbeit Schweiz. Mit seinem breiten Netzwerk und seiner Erfahrung in Prävention, Vermittlung und Krisenmanagement engagiert er sich für Sicherheit, Zusammenhalt und Lebensqualität im öffentlichen Raum. Als Sicherheitsmanager ist Christian Wandeler zentrale Ansprechperson für die Bevölkerung und unter anderem für das Lösen von Nutzungskonflikten im öffentlichen Raum (wie Nachtleben, Szenenbildungen oder Littering) zuständig.
Wer ist in der Stadt zuständig, wenn die Nachtruhe gestört wird oder wenn im öffentlichen Raum Drogen konsumiert werden?
Wichtig ist, dass im Moment gehandelt wird. Der Griff zum Telefon um die Polizei (117) anzurufen, ist zwar oft unbeliebt, aber trotzdem enorm wichtig. Im Moment des Vorfalls kann nur die Polizei umgehend und konkret helfen. Meldungen über Beobachtungen und Erfahrungen betreffend Nachtruhestörungen oder illegalem Verhalten können der Stadt Luzern, dem Sicherheitsmanagement, gemeldet werden. Das Sicherheitsmanagement dient in diesem Thema als Dreh- und Angelpunkt zwischen städtischen Abteilungen und der Polizei. Das Sicherheitsmanagement hat den Überblick über die verschiedenen Situationen in den Quartieren der Stadt und kann wo nötig Massnahmen auslösen. Es arbeitet auch eng mit der Sicherheit Intervention Prävention (SIP) zusammen. Diese ist an 365 Tagen im Jahr im öffentlichen Raum unterwegs und hat einen guten Draht zu marginalisierten Gruppen und Menschen. Die SIP plant ihre Präsenz auf Plätzen wie dem Bleichergärtli ein, macht sich ein Bild über die Situation und interveniert bei Bedarf. Bei akuten Situationen, wie aktuell beim Bleichergärtli, erhöht die SIP ihre Präsenz.
Oft haben die Menschen Hemmungen, bei der Polizei anzurufen. Was entgegnen Sie hier?
Ich kenne das auch von mir selber. Die Hemmschwelle ist oft sehr gross, die Polizei zu kontaktieren. Gerade auch über die Notfallnummer 117. Man fragt sich dann «Ist der Vorfall wirklich ‹schlimm genug›?», «Hat die Polizei nicht Wichtigeres zu tun?» oder «Bringt es überhaupt etwas – bis die kommen, sind die Krawallmachenden ja eh schon weg». Das sind alles Überlegungen, die Menschen oft davon abhalten, sich bei der Polizei zu melden. Doch diese Hemmschwelle gilt es zu überwinden – die Polizei ist froh, wenn sie direkt und über die Nummer 117 kontaktiert wird. Dann kann sie im Moment handeln.
Und wer trotzdem diese Hemmungen nicht überwinden kann?
Es ist so oder so wertvoll, wenn die Beobachtungen an das Sicherheitsmanagement herangetragen werden. Wenn wir von Vorfällen und schwierigen Situationen wissen, dann können wir auch reagieren. Ich empfehle aber auch, den Quartierpolizisten oder die SIP direkt vor Ort anzusprechen und das Anliegen zu schildern. Lärmverursachende Personen, aber auch Drogenkonsumierende können durchaus auch direkt angesprochen werden. Hier gilt es aber gut abzuwägen, ob und in welcher Form diese Personen angesprochen werden sollen. Es ist sicher nicht ratsam, sich auf einen Disput einzulassen. Zivilcourage kann auch bedeuten, dass zum Beispiel die Polizei über eine heikle oder störende Aktion informiert wird.
Sie sind als Sicherheitsmanager immer wieder gefordert und werden in Ihrem Arbeitsalltag oft mit Reklamationen konfrontiert – mit Dingen, die einen nicht immer ruhig bleiben lassen. Was ist Ihr Rezept, Ruhe zu bewahren, wenn Sie der Unmut der Bevölkerung trifft? Was möchten Sie der Bevölkerung mitgeben?
Grundsätzlich ist es zuerst einmal völlig okay und normal, sich aufzuregen und sich an Missständen zu stören. Das zuzulassen und entsprechend des Anliegens zu melden, hilft oft besser, als die Faust im Sack zu machen. Selbst versuche ich mich oft in die Situation der meldenden Person zu versetzen, um besser zu verstehen, was das geschilderte Anliegen für die Person bedeutet. Entsprechend hilft es mir, die Reklamationen sachlich zu prüfen, Verständnis aufzubringen und so hoffentlich die passenden Massnahmen auszulösen.
| Rubrik | Zusammenleben |
| Ausgabe | 08/2026 |
| Text | Benno Zgraggen |
| Fotografie | Stefano Schröter |
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Das Kinderfahrrad ist zu klein geworden, die Bohrmaschine könnte eigentlich geteilt werden oder Sie suchen kurzfristig eine Person, die auf Ihren Wellensittich aufpasst?