Das Einkaufsverhalten verändert sich – manchmal auch zurück zu den Ursprüngen. In Zeiten von Giga-Malls, Self-Scanning und Online-Shopping sind lokale Märkte, Gemüseabos oder Hofläden sehr gefragt. Denn eine wachsende Kundschaft kauft lieber beim Kleinproduzenten um die Ecke als beim Grossverteiler. Davon zeugen Einkaufsgemeinschaften, die sich in Städten von Berlin bis New York weltweit etablieren. Auch in Luzern: Mit der Foodcoop Himmelrich 3 wurde eine solche kürzlich in der gleichnamigen abl-Siedlung gegründet.
Der Gemeinschaftsraum gleicht an diesem Samstagnachmittag einer Markthalle. Auf den Tischen reihen und stapeln sich Windeln, Waschmittel, Mehlpackungen oder Nüsse. Bewohnerinnen und Bewohner erscheinen mit Handwagen, Tupperware und anderen Behältern. Heute ist der erste Verteiltag, an dem die gemeinsam bestellten Produkte abgeholt werden.
Die Idee dahinter ist einfach: Haushalte schliessen sich zusammen und bestellen Güter des täglichen Bedarfs direkt bei Betrieben in der Nähe. Die Konsumentinnen und Konsumenten sparen in vielerlei Hinsicht: Fahrten zum Geschäft, unnötige Verpackung und sogar Geld, weil der Zwischenhandel wegfällt. Der alte Gedanke erhält mit dem Prinzip der Sharing Economy und einer neuen Sensibilisierung für nachhaltige Themen kräftig Aufwind. Das hat auch der Bundesrat erkannt und fördert Foodcoops. Das Ziel ist bis 2030 ein Netzwerk von schweizweit 500 solcher Kooperativen.
Ein Früchteproblem stand am Anfang
Im Himmelrich 3 hatte es mit einem simplen Problem angefangen, vor dem der Bewohner Christian Frank stand: «Ich wollte Früchte beim nachhaltigen Importeur Gebana bestellen, aber die Mindestmengen waren mir zu gross. Also fragte ich in der Nachbarschaft, wer sich beteiligen möchte.» Bald bildete sich eine Gruppe von Gleichgesinnten, und die Frage nach Früchten wurde bald grösser diskutiert. «Ich war schon länger Mitglied bei FoodCoop Luzern», sagt Livio Brunner von der Gruppe. Diese Lebensmittelkooperative hat sich im Umfeld der Industriestrasse gegründet. Nach deren Vorbild nimmt nun die Foodcoop im Himmelrich 3 viermal im Jahr Bestellungen auf und verteilt sie anschliessend im Gemeinschaftsraum der Siedlung. Neu steht sie nicht nur Mieterinnen und Mietern der abl offen, sondern allen Interessierten (siehe Box). «Wir wollen damit Abfall und Foodwaste vermeiden und zudem regionale Produzentinnen und Produzenten unterstützen, die fair produzieren», sagt Mittäterin Angela Meier.
Digitalisierung und lokale Handarbeit gehen hier Hand in Hand: Über die Intranet-Seite erstellen Einkäuferinnen und Einkäufer ein Login und können danach das Sortiment sichten und Bestellungen erfassen. Die Gruppe profitiert von bestehenden Vorbildern und greift auf ein bewährtes Open-Source-Tool zurück. Das reduziert den administrativen Aufwand auf ein Minimum. Beim Start stehen acht verschiedene Betriebe mit ihren Produkten auf der Liste – jede und jeder in der achtköpfigen Gruppe ist für einen verantwortlich. Mehle kommen beispielsweise von der Altbachmühle in Wittnau, Nüsse und Trockenfrüchte von der Gebana, Windeln von Pingo, Hygieneprodukte von Kellenberger Naturprodukte und Soyafleischersatz von Soyana. Das Angebot darf noch wachsen, aber nicht um jeden Preis. «Falls jemand aus der Siedlung eine gute Idee hat, sind wir sehr offen», sagt Livio Brunner. Schliesslich gehe es auch darum, neue Produkte und Produzenten zu berücksichtigen, die noch nicht jeder kennt.