Eine bewegte Diskussion
Nun waren die Anwesenden gefragt: Unter Anleitung wurde in drei Runden à 20 Minuten an verschiedenen Tischen zu den genannten Themen diskutiert. Auf grossen Papieren wurden Kritik, Lob und fehlende Themen notiert. «Es muss alles auf den Tisch», sagte Moderatorin Inger Schjold vom Beratungsunternehmen für Organisationsentwicklung «frischer wind». Da wurde an einem Tisch über die Angst diskutiert, als jahrzehntelange Bewohnerin, bei einer Unterbelegung aus der Wohnung gedrängt zu werden. Es dürfe keinen Zwang zum Auszug geben, so die Meinung. Die Furcht vor einer Entwurzelung im Quartier wurde genannt.
An einem zweiten Tisch war der Klimawandel das grosse Thema. Konkrete Ziele, Verpflichtungen und Massnahmen müssen her, so die Meinung. Auch Siedlungsräte oder Vereine, die sich um die Anliegen der Bewohnenden kümmern, kamen aufs Tapet. Und an einem dritten Tisch hat das Thema der Selbstverwaltung die Diskussion angeregt. Wie können mehr Möglichkeiten geschaffen werden, um sich zu engagieren?
Diese drei Themen sind am wichtigsten
Die wichtigsten Anliegen wurden schliesslich auf Zettel geschrieben und an Wände gepinnt. Alle Anwesenden konnten nun vier Punkte verteilen – und es zeigte sich deutlich, welches die drei populärsten Anliegen sind:
- Mitwirkung und Partizipation: Neue Formen der Mitwirkung sind gesucht, sodass Mietende ein besseres Sprachrohr gegenüber der abl haben.
- Kein Zwang zum Auszug bei Unterbelegung: Dieses Thema kam für viele eher überraschend aufs Tapet. Da sind sozialverträgliche Anreize gefragt, wie bei Unterbelegung zu einem Umzug in eine kleinere Wohnung motiviert werden kann – ohne Zwang notabene. Die Idee einer Art Tauschbörse wurde genannt.
- Klimawandel und Biodiversität: Verbindliche Ziele und ein Monitoring des bisher Erreichten sind bei den Mitgliedern populär. Die Wünsche: mehr Grünraum, weniger Versiegelung und mehr Biodiversität in den Siedlungen.
So geht es nun weiter
Die Prioritäten scheinen klar. «Das Resultat fordert uns heraus und zwingt uns, in gewissen Bereichen neu zu denken», fasste die Präsidentin den Abend zusammen. Speziell die Themen Klima, Ökologie und Biodiversität forderten konkrete Taten der abl, so Egger Andermatt. Sie versprach: «Das nehmen wir so entgegen.» Auch der Wunsch nach einer höheren Vertretung der Mietenden im Vorstand sei bei der abl angekommen.
Ende November wird der Vorstand erstmals einen Statutenentwurf behandeln, im nächsten Jahr steht die Schlussfassung auf dem Programm, der vom Verband Wohnbaugenossenschaften Schweiz geprüft werden muss.
Die Genossenschaftsmitglieder werden sich im Rahmen einer ausserordentlichen Generalversammlung vor der Urabstimmung zum neuen Statuten-Vorschlag des Vorstands äussern und Anträge stellen können. Das formelle Vorgehen wird Anfang 2022 kommuniziert. Den finalen Entscheid fällen dann Ende 2022 die abl-Mitglieder an der Urabstimmung. Ziel ist, dass die abl mit neuen Statuten ins Jahr 2023 starten kann.