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Luzerner Innovation Pro mehr Holzbauten

Wohnhaus in Gunzwil. Architektur KRETZ & ZOPP, Luzern. Foto Rolf Theiler.

Wer an Holzhäuser denkt, dem dürften als Erstes wohl die typischen Schweizer Chalets in den Sinn kommen. Doch der moderne Holzbau ist viel mehr als Alpenromantik. Mit neusten Methoden soll der Holzbau in der Schweiz nicht nur kostengünstig werden, sondern auch einen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten.

Heimelig, warm, gemütlich: Holz sorgt für eine besondere Atmosphäre. So ist es nicht erstaunlich, dass Holz in der Menschheitsgeschichte seit Jahrtausenden als Baustoff für Häuser verwendet wird. Auch die Schweiz hat eine vielfältige Holzbautradition, die sich in der Vergangenheit insbesondere in Form von Chalets und Einfamilienhäusern zeigte. Der natürliche Baustoff hat aber noch viel grösseres Potenzial, und zwar im industriellen Bauen. Davon sind Forscherinnen und Forscher, Architektinnen und Architekten sowie Holzbauunternehmerinnen und -unternehmer überzeugt. «Holz ist ein äusserst klimafreundlicher und nachhaltiger Rohstoff», sagt Sonja Geier, stellvertretende Leiterin des Kompetenzzentrums Typologie & Planung in Architektur an der Hochschule Luzern. Das CO2, das die Bäume aus der Luft gefiltert haben, lässt sich in den Bauten durch die Verwendung von Holz speichern. Damit trägt ein Holzbau zur CO2-Speicherung in unseren Gebäuden und somit zu den Klimazielen der Schweiz bei. Auch ist Holz ein Rohstoff, der nachwächst: «Im Gegensatz zum Sand, der für ­Beton verwendet wird und dessen Reservoirs langsam zur Neige gehen.»

Von der Planung bis zur Montage
Neben der Umweltfreundlichkeit habe Holz noch ­einen anderen grossen Vorteil: In keinem anderen Bau­bereich ist die Digitalisierung so weit fortgeschritten wie im Holzbau. Was dabei allerdings noch Verbesserungspotenzial hat: die Prozesse von der Planung bis zur Montage der Holzbauteile auf der Baustelle. «Der Workflow wird durch wenig zufriedenstellende Koordination, Brüche in der Prozesskette und redundante Planungsabläufe gestört», sagt Geier. Deshalb hat die Hochschule gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft wie den Architekten Daniel Birrer und Martin Jutz von GKS Architekten Generalpartner AG in Luzern sowie der Holzbaufirma schaerholzbau aus Altbüron «BIMwood» ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um ein Projekt, bei dem zum ersten Mal Prozesse von der Planung bis zur Montage optimiert werden sollen, damit der industrielle Holzbau so kosteneffizient wie nur möglich wird. «Oft herrscht die Meinung, dass ein Holzbau teuer ist. Wir wollen zeigen, dass er auch aus Kostengründen zukunftsfähig ist», sagt Geier. Dabei sollen die Erkenntnisse aus dem BIMwood-Projekt – wo möglich – auch in ein Holzbauobjekt der abl fliessen

Millimetergenaue Bauteile
Wie moderner Holzbau aussieht, weiss Michael Schär, Geschäftsführer der Holzbau­firma schaerholzbau. Schär führt das Familienunternehmen mit 120 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in fünfter Generation. «Der Holzbau ist schon heute hochpräzise», sagt Schär. Auf computergesteuerten Maschinen liessen sich die Teile millimetergenau zuschneiden. Das erleichtere die Arbeit auf dem Bau erheblich. «Wir können bereits in der Werkhalle genau einplanen, wo es zum Beispiel Aussparungen im Holz für die Haustechnik braucht. Das spart bei der Montage Zeit.»Trotz der modernen Arbeitsweise gibt es laut Schär Verbesserungspotenzial. Seit Jahrzehnten würden die Holzbauteile in 3D-Modellen zuerst am Computer kreiert, bevor die Daten an die Maschinen geschickt werden. Genau bei diesen Modellen hätten die Rohdaten oft nicht die richtige Qualität. «Es ist wenig standardisiert. Wir bekommen von den Architekten viele Daten, die wir eigentlich nicht brauchen, oder es fehlen für uns wichtige Informationen», sagt Schär. «BIMwood» soll hier Ordnung schaffen. Schär glaubt, dass der Holzbau eine grosse Zukunft vor sich hat – insbesondere im urbanen Raum. So sei Holz auch bei grossvolumigen Bauten längst keine Seltenheit mehr. Im Jahr 2021 wird man mehrere Mehr­familienhäuser mit jeweils über 70 Wohnungen erstellen. «So ein Projekt aus Holz wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen.» Besonders die Klima­diskussion habe dem Holzbau einen enormen Schub verliehen. Auch sonst sei der Holzbau äusserst nachhaltig. «Wir bauen fast nur mit Schweizer Holz. Einen erheblichen Teil davon beziehen wir aus dem Raum Pilatus und Napf.»

Spezielle Wohnatmosphäre
Auch die Architekten Daniel Birrer und Martin Jutz sind überzeugt, dass der Holzbau eine grosse Chance für die Schweiz ist. «Er kann in der Baubranche zu dem werden, was der Elektromotor für die Autobranche ist, und so einen wichtigen Beitrag gegen die Klimaerwärmung leisten», sagt Jutz. Ausserdem sei Holz ein vielseitiger Rohstoff. «Er kann mit anderen Baustoffen kombiniert werden.» Das führe dazu, dass moderne Holzbauten von aussen gar nicht als solche erkannt werden. «Sie sehen eben nicht zwingend nach Chalet aus.» Oft würde man nicht einmal im Innenbereich erkennen, dass es sich um ein Holzhaus handelt. Trotzdem glaubt Birrer, dass ein aus Holz gebautes Haus eine andere, spezielle Wohnatmosphäre versprüht. «Es hat subtil einen anderen Geruch, eine andere Wärme.»Damit möglichst viele lebenswerte Wohnhäuser ­gebaut werden können, bräuchten aber auch die Architektinnen und Architekten ein effizienteres Planungstool. «Wir Architekten, die Fachingenieure, der Holzbauer, jeder hat sein eigenes Programm. Das führt zu unnötigen Doppelungen», sagt Jutz. BIMwood soll das vereinfachen. «Wenn dadurch der Holzbau kosteneffizienter wird, dann kann er vermehrt einen wesentlichen Beitrag hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft leisten», sagt Jutz. Deshalb sei für die beiden Architekten klar: Dem Holzbau gehört die Zukunft.