Hansruedi Zurbuchen gefällt vieles an seinem neuen Zimmer. Zum Beispiel die grosse Terrasse, auf die er mit seinem elektrischen Rollstuhl fahren und dem Treiben im Innenhof der Himmelrich-Siedlung zuschauen kann. Oder, dass er an die Wand einen riesigen Fernseher montieren durfte, auf dem er die Spiele seiner Lieblingsmannschaft, dem FC Bayern München, verfolgen kann. Aber etwas an seinem 24 Quadratmeter grossen Zimmer geniesst er besonders. Einen «Luxus», auf den der 70-Jährige sein ganzes Leben lang warten musste: Zum ersten Mal hat er sein eigenes, sechs Quadratmeter grosses Bad. «Eine Premiere, über die ich mich wahnsinnig freue», sagt er.
Zurbuchen ist einer von 18 Menschen mit einer Behinderung, die Ende Oktober in die neue Siedlung Himmelrich 3 im Neustadtquartier gezogen sind. Betreut werden die dreizehn Männer und fünf Frauen von der Stiftung Contenti, bei der die meisten auch eine Arbeitsstelle haben. Viele der Bewohnenden haben eine sogenannte Cerebralparese (CP). Das heisst, das sie seit Geburt eine Bewegungsbeeinträchtigung haben und sich oftmals nur mithilfe eines elektrischen Rollstuhls fortbewegen können.
Fensteröffnen per Knopfdruck
Auch Hansruedi Zurbuchen lebt mit einer CP und sitzt in einem solchen Gefährt. Deshalb ist er darauf angewiesen, dass sein Zimmer spezielle Features hat und barrierefrei ist, denn auch seine Arme und Hände sind in der Beweglichkeit stark beeinträchtigt. Die Zimmer und Balkontüre, das Licht, die Rollläden und den Lift kann er mithilfe einer kleinen Infrarotfernsteuerung bedienen. Diese steuert Zurbuchen mit seiner Nase.
Ein Lift an der Decke hilft ihm beim Transfer vom Rollstuhl aufs WC, in die Dusche oder ins Bett. Und sollte er mal aus Versehen mit dem Rollstuhl in die Wand fahren, schützt eine 30 Zentimeter hohe Holzverkleidung den Verputz vor Dellen und Löchern. «Die Stiftung Contenti war von Anfang an bei der Planung der Wohnungen dabei und konnte ihre Bedürfnisse und Wünsche einbringen», sagt Geschäftsleiter Bruno Ruegge. Daher sei es möglich gewesen, so viele «Extrawünsche» umsetzen zu lassen. So wurden zum Beispiel grosse und durchgehende Terrassen gebaut, auf denen es genug Platz gibt, damit sich die Behinderten mit den elektrischen Rollstühlen gut drehen können. Auch gibt es keinen Absatz bei der Terrassenschwelle, der für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer ein Hindernis darstellt. In der Treffpunktküche sind die Tische elektronisch in der Höhe verstellbar. Und im gesamten Wohnbereich wurde ein spezieller «Flüsterbelag» eingebaut, der die Schritte des Personals dämpft und für eine ruhige, wohnliche Atmosphäre sorgt.