Wie unser Güsel für warme Wohlikeit sorgt

Text Kim Schelbert, Grafik zVg ewl
magazin 01/2021

Die Neubausiedlung an der oberen Bernstrasse orientiert sich an den Zielwerten der 2000-Watt-Gesellschaft. Deshalb wird umweltschonende Energie eingesetzt: Wie unter anderem aus ­verbranntem Abfall ein gemütliches Wohnklima entsteht.

Weil die Haustechnik an der oberen Bernstrasse dereinst CO2-arm und effizient sein soll, wird die Neubausiedlung mit Energie aus dem ewl-Fernwärmenetz versorgt. Eine umweltschonende Technologie, die bereits bestehende Abwärme nutzt, die in diesem Fall bei der Stahlproduktion und Kehrichtverbrennung entsteht. Mit der Abwärme werden die Wohnungen der Neubauten geheizt und deren Warmwasser aufbereitet. Von der Fernwärme können zukünftig schliesslich Haushalte aus dem ganzen Raum Littau-Reussbühl profitieren.


Ein Nebenprodukt der Industrie
Die Abwärme für das Fernwärmenetz entsteht ganz in der Nähe bei der Produktion von Stahl im Walzwerk der Swiss Steel AG in Emmen und bei der Verbrennung von Abfall in der Kehrichtverbrennungsanlage Renergia in Perlen. Was wir wöchentlich im blauen Sack vor die Haustür tragen, bleibt weiterhin Teil einer Wertschöpfungskette: In einem gefüllten 35-Liter-Kehrichtsack steckt ungefähr dieselbe Energie wie in 1.7 Liter Heizöl, nämlich 17 Kilowattstunden. Mit diesem Energiewert kann ein Tag lang ein Zimmer geheizt oder ein Vollbad in die Badewanne eingelassen werden. Ausserdem erweist die Weiterverwendung der Abwärme den guten Nebeneffekt, dass die Luft von wärmebedingten CO2-Emissionen entlastet wird.


Wasser dient zum Wärmetransport
Mit der Nutzung der industriellen Abwärme wird zentral für eine ganze Region Fernwärme produziert. Und so funktionierts (vgl. Grafik): Mittels Abwärme wird Wasser erhitzt und zur ­neuen ewl-Wärmezentrale in ­Emmen geleitet. Die Wärmezentrale verteilt das 85 Grad Celsius heisse Wasser über ein gut isoliertes Rohrleitungsnetz und transportiert es unterirdisch zu den Haushalten (Wärmempfänger). Dort wird dem Warmwasser über den Wärmetauscher die Wärme entzogen, ins Heizungsnetz eingespeist und fürs Heizen und Aufbereiten von Warmwasser verwendet. Das auf 55 Grad Celsius ­«abgekühlte» Wasser wird anschliessend über die «Rücklaufleitung» zur Fern­wärmezentrale zurückgeführt. Der Kreislauf beginnt von vorne.


Netz noch nicht fertig ausgebaut
ewl baut ihr Fernwärmenetz laufend aus und verdichtet es (vgl. Karte). Für die neue Überbauung an der oberen Bernstrasse wird ewl eine rund 60 Meter lange Spülbohrung durchführen. Diese Spülbohrung ist wegen der starken Hanglage des Stollbergs notwendig. Mit dem Leitungsbau im Stadtteil Littau können im Endausbau bis 2’500 Wohnungen beheizt werden. Dies entspricht einer Menge von 20 Gigawattstunden oder 20 Millionen Kilowattstunden. Bereits mit regionaler Abwärme versorgt werden im Rontal die Gemeinden Root, Dierikon, Buchrain und Ebikon sowie Teile der Gemeinde Emmen.


Der Brennstoffmix machts aus
Wie ökologisch nachhaltig die Energie der Fernwärme ist, entscheidet der sogenannte Brennstoffmix. Fernwärme kann ihre Abwärme aus verschiedenen Prozessen beziehen. Abwärme aus «nach dem Stand der Technik nicht vermeidbaren Wärmeverlusten» rechnet das Bundesamt für Energie als erneuerbare Energiequelle. Es wird also unterschieden zwischen erneuerbaren und nichterneuerbaren Energien: Während Kehricht- oder Holzverbrennung als erneuerbar eingestuft sind, gilt Abwärme aus Erdgas als nichterneuerbar. Die Nachhaltigkeit des Brennstoffmix basiert somit auf einer gesetzlich festgelegten Ökobilanzbetrachtung. Im Jahr 2019 setzte sich die Abwärme für die ewl-Fernwärme wie folgt zusammen: 93,7 Prozent KVA Perlen, 3,7 Prozent Swiss Steel und 2,7 Prozent Erdgas. Erdgas wird lediglich für die Spitzenabdeckung, etwa an sehr kalten Tagen, eingesetzt, der Löwenanteil wird aus der Kehrichtverbrennungsanlage in Perlen bezogen. So sorgt, was möglichst schnell losgeworden werden will, etwas später für die wohlig warme Dusche nach dem Winterspaziergang in der Kälte. Zumindest gilt das für die zukünftigen Mieterinnen und Mieter an der oberen Bernstrasse.


Im ewl-Erklärvideo wird der Kreislauf der Fernwärme noch detaillierter geschlidert: 

Neues aus dem «Untergrund»
Obere Bernstrasse – Der Aushub des Projekts «Forever young» ist weit fortgeschritten, ­aktuell laufen Umleitungsarbeiten an der städtischen Kanalisation und die Baugrubensicherung. Die steilen Wände der immens grossen und tiefen Baugrube werden mit Spritzbeton befestigt.

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