Neugier brachte Karrierewechsel
Der Wechsel in die Kosmetik entstand dann eher zufällig. «Ich war zuerst selbst Kundin in einem Laserstudio», erzählt Sophia. «Die Inhaberin fragte mich, ob ich jemanden kenne, der Arbeit sucht. Nachdem ich dann selbst bei ihr reingeschnuppert habe, hat es mir so gefallen, dass ich geblieben bin.» Bereits als Kundin habe sie sich für die verschiedenen Kosmetiktechniken interessiert: «Ich wollte einfach wissen, wie das funktioniert – auch bei mir selbst.»
Die Ausbildung zur Laserspezialistin sei intensiv gewesen. «Ich musste die Haut und ihre Zellstrukturen bis ins Detail verstehen – es war fast wie ein Medizinstudium. Wir sind so tief eingestiegen, dass ich manchmal das Gefühl hatte, ich könnte jemanden operieren», sagt sie mit einem Lachen. «Aber es hat mir so gefallen, endlich wieder etwas zu lernen, das mich wirklich fordert.»
Als im alten Studio ein Inhaberwechsel anstand, reifte in ihr der Wunsch nach Unabhängigkeit. Doch die Finanzierung erwies sich als Hürde: Keine Bank wollte einer alleinerziehenden Mutter einen Kredit geben. Familie und Freunde sprangen ein – aus Vertrauen in ihr Können, ihre Entschlossenheit und ihre Fähigkeit, anzupacken. «Meine Familie und meine Freunde wissen: Ich bin eine Person, die arbeiten kann», sagt Sophia. «Ich habe früher Caterings gemacht, die achtzehn Stunden dauerten. Ich habe kein Problem damit, anzupacken.» In der abl-Siedlung an der Bernstrasse hat sie nun das passende Zuhause für ihr Studio gefunden. «Der Mietpreis ist fair, und ausserdem mag ich die Atmosphäre in diesem Quartier.» Die Bernstrasse sei lange unterschätzt worden. «Es ist ein lebendiger und schöner Ort», betont Sophia.
Ehrlich währt am längsten
Sophia Chaudhry ist keine, die grosse Versprechen macht. Wenn es sein muss, lehnt sie eine Behandlung auch mal ab, wenn sie aus ihrer Sicht keinen Sinn ergibt oder Risiken birgt. «Mir ist wichtiger, dass niemand mit Verbrennungen rausgeht, als dass ich an einem Tag 250 Franken mehr verdiene.» Diese Ehrlichkeit kommt an. Viele schätzen ihre klare Art und das Gefühl, ernst genommen zu werden. Ein Beispiel: Ihre Spezialität ist die dauerhafte Haarentfernung mit einem Diodenlaser. Der Laser funktioniert aber nur bei dunklen Haaren. Das erklärt sie jeder Kundin und jedem Kunden genau. «Ich will, dass sie verstehen, was passiert.»
Ihre Kundschaft ist gemischt: Frauen und Männer, junge Erwachsene, aber auch ältere Menschen. Wer zu ihr kommt, lege Wert auf Sorgfalt und eine kompetente Beratung. In der Branche, sagt sie, gebe es viele Studios, die schnelle Ergebnisse versprächen oder mit Tiefstpreisen lockten. Sophia positioniert sich bewusst dazwischen: fair, transparent und auf Qualität bedacht. Eine Ganzkörperbehandlung kostet bei ihr 249 Franken – mehr als in Billigstudios, aber weit unter dem Preisniveau vieler anderer Anbieter. «Ich will, dass sich das möglichst jede Person leisten kann, nicht nur eine wohlhabende Oberschicht. Schönheit darf kein Luxus sein.»
Schönheit, sagt Sophia, beginne letztlich im Kopf. «Schön ist, wer sich in seiner Haut wohlfühlt.» In ihrem Studio gehe es deshalb nicht nur um glatte Haut, sondern auch um Selbstvertrauen. Für sie sind es die schönsten Momente, wenn Kundinnen nach einer Behandlung mit neuem Strahlen im Gesicht gehen. «Das ist das Beste an meinem Beruf – wenn jemand merkt: Ich darf mich schön finden.»