Generalversammlung

«Wir konnten erneut mehr Mitglieder erreichen»

Eintrudeln auf der Messe Allmend anlässlich der Infoveranstaltung über die 98. abl-Generalversammlung.

Fast ein Fünftel der Genossenschafterinnen und Genossenschafter beteiligte sich an der Generalversammlung 2022. Alle vom Vorstand vorgelegten Geschäfte wurden mit über 95 Prozent Ja-Stimmen gutgeheissen.

Die 98. Generalversammlung der abl fand zum dritten Mal in Folge auf schriftlichem Weg statt. Bis zum 25. Juni 2022 konnten die Mitglieder abstimmen und wählen. An der Restversammlung vom 29. Juni 2022, durchgeführt im Gemeinschaftsraum des Himmelrich 3, wurden die Ergebnisse der Abstimmungen und Wahlen vom Vorstand erwahrt. abl-Präsidentin Marlise Egger Andermatt dankte unter anderem den Mitgliedern: «Über 95 Prozent Zustimmung zu allen Traktanden – ich bin glücklich und stolz darauf, dass die Basis unserer Arbeit vertraut.»  

Auch zukünftig schriftlich?

Von den 12 262 Stimmberechtigten gingen bei der abl 2 271 gültige Stimmzettel ein. Das entspricht einer Beteiligung von knapp 19 Prozent. Wie in den vergangenen Jahren war die Beteiligung bei der schriftlich durchgeführten GV höher als bei einer physischen Versammlung. Gekoppelt mit der vorgängigen Informationsveranstaltung, welche auch per Livestream mitverfolgt werden konnte, «erreichten wir wiederum mehr Mitglieder», sagte Egger Andermatt, die sich über die grössere Partizipation freute.
 Die Präsidentin ergänzte, dass solch hybride Generalversammlungen zur Routine werden könnten, auch wenn die Corona-Pandemie-bedingten Massnahmen des Bundes ausser Kraft sind. «Die neuen Statuten sehen hinsichtlich Mitwirkung mehr Flexibilität vor», sagte Egger Andermatt und verwies auf den Statutenentwurf, den die Genossenschafterinnen und Genossenschafter demnächst erhalten werden.  

Versammlung nach zwei Jahren Pause

Vorausgegangen war der schriftlichen Abstimmung eine Informationsveranstaltung in der Messe Luzern auf der Allmend am 13. Juni 2022, der zirka 150 abl-Mitglieder beiwohnten. Die Präsidentin und Geschäftsleiter Martin Buob erläuterten den Geschäftsbericht 2021, betonten, wie essenziell die drei Worte «Wachstum», «Preisgünstigkeit» und «Nachhaltigkeit» für die Genossenschaft sind, beantworteten Fragen und hatten ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte.
 Apropos Wachstum: Der Vorstand entscheidet monatlich über ungefähr 60 neue Mitgliedschaftsbegehren. Unterdessen zählt die abl gegen 13 000 Mitglieder und verfügt über eine stattliche Eigenkapitaldecke in der Höhe von 100 Millionen Franken. Das ist äusserst erfreulich, bedeutet indessen für die Verwaltung und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle viel Arbeit – mitsamt den Sanierungs- und Neubauprojekten, die es zu stemmen gilt.
 

Martin Buob, Geschäftsleiter abl, präsentiert den Geschäftsbericht 2021.


Die Folgen des Kriegs

Der Ukraine-Krieg ist auch für die abl einschränkend und herausfordernd. «Das Zinsumfeld, die Energiepreise und die Lieferfristen von Baumaterialien sind grosse Unsicherheitsfaktoren», sagte Buob und fügte an, dass es beispielsweise auf der Baustelle an der Bernstrasse deswegen bereits zu Verzögerungen gekommen ist. Die abl ist übrigens (noch) zu 90 Prozent von Gas abhängig. Eine Mieterin erkundigte sich denn auch in der Fragerunde nach der Heiz- und Nebenkostenabrechnung und wie die abl gedenke, mit den höheren Energiepreisen umzugehen. «Betreffend allfällige Erleichterungen wird es Vorschläge von der Geschäftsstelle geben», versicherte Buob. 

Auslandschweizer ist enttäuscht

Zu reden gab am Informationsanlass der vorgesehene Ausschluss von Auslandschweizerinnen und -schweizern. Sie waren schriftlich darüber informiert worden, dass sie mit den neuen Statuten nicht mehr Mitglieder der abl sein können. Ein Genossenschafter war eigens aus Wien angereist und monierte unter anderem, ein solcher Ausschluss sei «unsozial», was der abl überhaupt nicht entspreche.
 Der abl gehören etwa 80 Auslandschweizerinnen und -schweizer an. Wegen des automatischen Informationsaustausches in Steuersachen bedeute dies für die Genossenschaft viel administrativen Aufwand, wie Egger Andermatt und Buob sagten. Wolle man die im Ausland lebenden abl-Mitglieder mit dem nötigen Know-how betreuen und der vorgeschriebenen Sorgfaltspflicht nachkommen, käme dies einer Vollzeitstelle gleich, rechnete Buob vor.
 Dem Applaus nach zu schliessen, waren die Anwesenden auf der Seite des «Wiener Mitglieds». Der ehemalige abl-Präsident Ruedi Meier versuchte, die Wogen zu glätten, und fragte: «Wie handhaben es andere Genossenschaften? Was passiert mit Rückkehrern? Gäbe es Zwischenlösungen?». 
Inzwischen hat die Führungsriege die Sachverhalte nochmals genau geprüft: Ein rückwirkender Ausschluss von Mitgliedern ist rechtlich nicht möglich.  

 

Resultate im Überblick
Präsidentin Marlise Egger Andermatt wurde wie Vorstandsmitglied und Vizepräsident Dominik Durrer im Amt bestätigt. Neu und zusätzlich in den Vorstand gewählt wurde Melanie Vonmüllenen, die künftig die Mieterinnen und Mieter in diesem Gremium vertritt. Ebenfalls wiedergewählt wurde Martina Ulmann (Obfrau) in die Geschäftsprüfungskommission (GPK). Als Nachfolger von Urs Richiger wurde Christian Hochstrasser als neues GPK-Mitglied bestimmt. 

Traktandum

JA
Stimmen

NEIN
Stimmen

JA
Stimmen
in Prozent

1 c) Abnahme der Jahresrechnung

2 217

28

98.75 %

1 d) Entlastung des Vorstands

2 186

55

97.55 %

1 e) Beschluss über die Verwendung des Bilanzgewinns

2 167

50

97.74 %

1 f) Beschluss über die Verzinsung des Genossenschaftskapitals 2021

2 138

97

95.66 %

2 a) Marlise Egger Andermatt; Wiederwahl als Präsidentin

2 109

68

96.88 %

2 b) Dominik Durrer, Vizepräsident; Wiederwahl als Mitglied
des Vorstands

2 118

61

97.20 %

2 c) Melanie Vonmüllenen; Neuwahl als achtes Mitglied des Vorstands

2 058

106

95.10 %

2 d) Martina Ulmann, Obfrau; Wiederwahl als Mitglied der GPK

2 114

57

97.37 %

2 e) Christian Hochstrasser; Neuwahl als Mitglied der GPK

2 107

64

97.05 %

Melanie Vonmüllenen und Christian Hochstrasser stossen auf ihre Neuwahl in den Vorstand beziehungsweise in die GPK an.


Entscheid über neue Statuten
Es ist somit noch nichts in Stein gemeisselt. Die neuen Statuten werden nach der juristischen Prüfung sehr bald den Mitgliedern vorgelegt. Die Genossenschafterinnen und Genossenschafter können diesen Statutenentwurf studieren und dazu Anträge einreichen, über die dann an der ausserordentlichen GV am 20. Oktober 2022 abgestimmt wird – ebenso wie über die neuen Statuten überhaupt. 
Zum Schluss der Infoveranstaltung wies Egger Andermatt auf den eben erstellten Faltprospekt «Good Go
vernance» hin. Dieser Kodex umfasst die Grundprinzipien der abl-Führung zu den Kapiteln «Verantwortung», «Integrität», «Transparenz» und «Einbindung». Nach dieser geballten Ladung an Informationen und lebendigen Diskussionen konnten die Anwesenden einen Risotto und ein Glas Wein geniessen und sich austauschen.
 

Präsidium steht bald zur Disposition  
Die abl kennt für den Vorstand eine Amtszeitbeschränkung von maximal zwölf Jahren. Marlise Egger Andermatt ist seit 2011 dabei und seit 2019 Präsidentin – mit Leib und Seele und viel Herzblut, wie sie an der Informationsveranstaltung betonte. Sie bezeichnete sich als «Corona-Präsidentin», die unglücklicherweise mit vielen pandemiebedingten Unwägbarkeiten zu kämpfen hatte. An der GV wurde sie für ein weiteres Jahr (2023) gewählt. Am 5. Juni 2023 – dem nächsten GV-Datum – wird das Präsidium neu besetzt.