Obere Bernstrasse

Mondlicht für das Quartier

Seit Jahren sprechen Latifa und Sabina Redzovic davon, etwas Gemeinsames aufzubauen. Mit dem Café Mondlicht in der abl-Siedlung obere Bernstrasse wird dieser Wunsch nun Wirklichkeit. Der Weg dorthin hat ihnen jedoch einiges abverlangt.

Die Geschwister Latifa und Sabina Redzovic auf ihrer Baustelle.

Es ist ein Telefonanruf, auf den Sabina Redzovic gehofft hat – und der sie trotzdem überrumpelt. Am anderen Ende der Leitung ist ihre Schwester Latifa. Sie kommt wie so oft direkt zur Sache: «Ich habe das Lokal bekommen – jetzt musst du mit mir arbeiten!» Sabina erinnert sich noch genau an diesen Moment. «Sie hat mich eigentlich gezwungen, hier mitzumachen.» Sie schaut rüber zu ihrer Schwester – beide lachen. Wir treffen das Duo vor ihrem zukünftigen Café mitten in der abl-Siedlung obere Bernstrasse. Sie sitzen nebeneinander in der Frühlingssonne und erzählen davon, als wäre es gestern gewesen. Fast zwei Jahre sind seit diesem Telefongespräch vergangen. Der Weg hierher war ein langer – geprägt von Warten, Hoffen, Zweifeln und einer grossen Portion Durchhaltewillen.

Fleissig, erfahren und mit Herzblut
Was die Schwestern antreibt, wird schnell spürbar, wenn sie von ihrer Arbeit erzählen. Sabina (36) hat ihre Ausbildung als Fachfrau Hauswirtschaft gemacht und viele Jahre in der Gastronomie gearbeitet, unter anderem am Standort Dreilinden des Alterszentrums Viva Luzern. Latifa (40) war fast zwei Jahrzehnte in der Luzerner Bäckerei Macchi tätig, lange Zeit als Filialleiterin. Der Umgang mit Gästen, der Rhythmus eines Betriebs – all das ist ihnen vertraut. «Wir sind beide fleissig», sagt Latifa. «Und wir arbeiten mit Herzblut.» Die beiden haben auch schon früher zusammen gearbeitet – und dabei gemerkt, dass sie nicht nur als Schwestern, sondern auch als Team funktionieren. «Wir haben die gleichen Werte», sagt Latifa. «Für uns ist wichtig, dass sich die Gäste willkommen fühlen, dass man sie wahrnimmt.» Die Idee, einmal gemeinsam etwas Eigenes aufzubauen, kam dabei zunächst vor allem von Latifa: «Der Wunsch steht sicher schon zwölf Jahre im Raum.» Mit Schwester Sabina wurde jedoch von Beginn weg darüber gesprochen, geträumt und die Idee über die Jahre weitergesponnen. Beide sind Mütter und leben mit ihren Familien in ­Luzern. Ihre Partner stehen hinter ihnen und unterstützen das Projekt – doch klar ist: Das Café Mondlicht ist ihr gemeinsames Ding. Was lange nur ein Wunschtraum war, nimmt nun definitiv Gestalt an. Der Name stand schon früh fest und ist bewusst gewählt. «Das Mondlicht ist für alle da», erklärt Sabina. Der Mond ­stehe für Beständigkeit und Orientierung – und dafür, dass ein Ort offen für alle sein kann. «Egal wer wir sind, wir blicken alle zum selben Mond hoch und er leuchtet für alle gleich.»

In dieser Atmosphäre sollen sich die Gäste wohlfühlen, denn: Der Mond leuchtet für alle gleich.

Klein anfangen und auf die Gäste eingehen
Genau dieses Gefühl möchten Latifa und Sabina auch in ihrem Café vermitteln: einen Ort, an dem sich Menschen willkommen fühlen – und an dem es sich ein bisschen so anfühlt, als würde man nach Hause kommen. Das zeigt sich auch im Angebot. Geplant sind Brunch am Sonntag, Salate, Suppen, Bowls und Sandwiches – unkompliziert und frisch zubereitet. Dazu kommen kleine Backwaren, bei denen Latifa ihre Erfahrung aus der Bäckerei einbringen kann. «Wir wollen klein anfangen», sagt sie. «Und schauen, was unsere Gäste möchten. »Für die beiden passt der Standort perfekt. Mitten in der abl-Überbauung an der oberen Bernstrasse entsteht ein Café, das genau hier seinen Platz findet – als Treffpunkt für das Quartier. «Im Umkreis gibt es eigentlich noch kein anderes Café», sagt Sabina. Gerade darin sehen sie eine Chance. Einen Ort, an dem man sich begegnet, kurz stehen bleibt oder länger sitzen bleibt. Einen Ort, an dem Nachbarinnen und Nachbarn zusammenkommen – und das Quartier ein Stück näher zusammenrückt. Der Weg dorthin war jedoch alles andere als geradlinig. Besonders das Warten auf die Baubewilligung stellte ihre Geduld auf die Probe. «Es war eine emotionale Achterbahn», sagt Sabina. Obwohl nichts beanstandet wurde, vergingen Monate, ohne dass klar war, wann es weitergeht. Das Warten brachte auch finanzielle Unsicherheit mit sich. «Das belastet natürlich», sagt Latifa. «Man fragt sich irgendwann schon: Kommt das überhaupt zustande?» Gerade in diesen Momenten habe sich gezeigt, wie wichtig sie einander sind. «Wenn eine von uns Zweifel bekam, hat die andere gesagt: ‹Komm, Schwester, wir schaffen das›», erzählt Latifa.

Hinfallen und wieder aufstehen
Aufgeben kam für sie trotzdem nie infrage. «Im Leben fällt man manchmal hin», sagt sie. «Aber das Wichtigste ist, dass man wieder aufsteht.» Heute stehen die beiden kurz vor der Eröffnung ihres eigenen Cafés. Die Vorfreude ist spürbar – genauso wie die Verantwortung, die damit einhergeht. «Wir haben einen gesunden Respekt vor der Aufgabe», sagt Sabina. Man spürt, dass die beiden Schwestern wissen, worauf sie sich einlassen. Und vielleicht ist es genau diese Mischung aus Erfahrung, Bodenständigkeit und gegenseitigem Vertrauen, die ihnen den Mut gegeben hat, diesen Schritt zu machen.

Café Mondlicht

Sabina und Latifa Redzovic 
Bernstrasse 64
6003 Luzern