Vergissmeinnicht
Ein «Erni» erklärt sozusagen die abl
Am Eingang zur Weinbergli-Siedlung gab die abl 1935 ein Wandbild in Auftrag, das «Zweck und Ziel der Baugenossenschaft» darstellen sollte.

Den Zuschlag – und 800 Franken Lohn – erhielt der damals 26-jährige Luzerner Künstler Hans Erni (1909–2015). Er malte ein 7.7 mal 6.5 Meter grosses Fresko an die Wand der Weinberglistrasse 11. 1980 wurde es von Uriel Heinrich Fassbender (1937–1996) in Zusammenarbeit mit Hans Erni restauriert. Das Bild ist auch 90 Jahre nach seiner Entstehung noch erhalten. Im untersten Feld des dreiteiligen Wandbilds wird die Notlage gezeigt: Eine Familie steht mit ihrem Hab und Gut und einem Umzugswagen auf der gepflasterten Strasse. Auf dem mittleren Bild wird dargestellt, wie die Genossenschaft dieser Not begegnet: Die abl – die Buchstaben sind auf Klötzen am rechten Rand zu sehen – plant neue Wohnungen. Erni zeigt in dieser Szene drei zeitgenössische Personen: In der Mitte steht der damalige abl-Präsident Hans Stingelin (1881–1938). Als Souschef des Bahnhofs Luzern trägt er die Uniform eines SBB-Beamten, was gleichzeitig zum Ausdruck bringen soll, dass viele Baugenossenschaften auf Initiative von Post- oder Bahn-Angestellten gegründet wurden. Rechts von Stingelin sitzt am Zeichenpult der Architekt Otto Schärli (1890–1954), der für die abl zahlreiche Gebäude geplant hat. Links mit Hut und Ziegelsteinen in der Hand sitzt Johann Bolli (1873–1950), der Baumeister der Siedlung. Nach der Planung kommt im obersten Sujet die Ausführung: Auf den Rebbergterrassen des Weinberglis vermisst ein Ingenieur das Gelände. Hier verewigte der Künstler sich auch selbst. Hans Erni hatte vor dem Besuch der Kunstgewerbeschul ein Luzern eine Lehre als Vermessungstechniker und Bauzeichner gemacht. Am rechten Rand werden alle drei Bilder durch eine Wendeltreppe zusammengefasst, die den Aufstieg aus der Notlage symbolisieren soll. Das Erzählcafé St. Anton hat Geschichten von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus dem Quartier Tribschen-Langensand gesammelt. Zum Erni-Wandbild sprach Werner Schnieper (1938–2023), Stadtrat und Baudirektor von 1987 bis 2000, während 28 Jahren Vorstandsmitglied der abl und von 2000 bis 2006 deren Präsident. Seine Erläuterungen wurden im Sommer 2015 aufgenommen und können unter dem QR-Code abgerufen und angehört werden.



































































