Nachhaltigkeit

«Gekippte Fenster sind Energieverschwender»

Geht es ums Heizen, ist die Technische Bewirtschaftung der abl an Ort und Stelle. Sie ist zuständig für Reparaturen und berät, wenns zu heiss oder zu kalt ist. In Zusammenarbeit mit einer externen Fachperson setzt sie die Vorgaben der abl für die kommende Heiz
periode um. Roland Gasser, Leiter des Bereichs Technische Bewirtschaftung, gibt Auskunft.

Roland Gasser, Leiter des Bereichs Technische Bewirtschaftung

Roland Gasser, die abl hat sich
zum Ziel gesetzt, die Heizkurve in allen
Siedlungen auf maximal 21 Grad zu
senken. Was bedeutet das konkret?
Wir stellen unsere Heizsysteme so ein, dass in den Wohnungen noch maximal 21 Grad geheizt werden kann. Das heisst, wenn die Thermostaten (Temperaturregler) in den Zimmern auf das Maximum eingestellt sind, wird die Raumtemperatur maximal 21 Grad erreichen. Weniger Wärme ist freiwillig möglich, indem man den Thermostat herunterdreht.

Ist das so genau einstellbar?
Natürlich ist dieser Wert ein Richtwert, den wir global über alle Siedlungen betrachtet anstreben. Je nach Bauart und dementsprechend auch nach Alter der Häuser kann der Wert etwas höher oder tiefer ausfallen. Hinzu kommt, dass je nach Lage der Wohnung ebenfalls Unterschiede auftreten werden. Tendenziell ist es so, dass Wohnungen in der Mitte wärmer sind, weil sie von der Wärme der Wohnung ober- und unterhalb profitieren.

Warum 21 Grad? Wäre weniger nicht
möglich gewesen?
Mit den maximal 21 Grad haben wir einen Weg gewählt, der über die gesamten abl-Liegenschaften funktioniert und bei dem die Mietenden dennoch die Möglichkeit haben, freiwillig weniger zu heizen. Wie erwähnt, kann dieser in gewissen Wohnungen tiefer sein – bei einer tieferen Heizkurve würden in gewissen Wohnungen die Temperaturen zu tief fallen.  

Das Wärme- und Kälteempfinden ist
 sehr individuell, wie sieht das bei Ihnen aus?

Ich gehöre eher zu den Menschen, die sehr schnell zu warm haben. Auf der anderen Seite leiden vor allem ältere Menschen, wenn es etwas kälter ist. Die 21 Grad sind insofern eine Lösung, als sie beiden Bedürfnissen gerecht zu werden versucht. Sich warm anziehen und in Bewegung bleiben ist wohl der einzige Weg, wenns zu kalt ist.  

Warum spart die abl erst jetzt Energie?

Wir sind seit einiger Zeit daran, die Heizsituation in den abl-Siedlungen zu optimieren, um Energie zu sparen. Vor allem in älteren Siedlungen senken wir jedes Jahr die noch zu hohen Temperaturen. Dies aber jeweils in kleineren Schritten. Für diesen aus unserer Sicht grossen Schritt war der Leidensdruck bisher zu klein. Die Erfahrung aus früheren Zeiten hat aufgezeigt, wie schwierig solche Massnahmen sind. Jetzt, da die Energiepreise geradezu explodieren, werden die Stimmen laut, etwas zu unternehmen, damit die Heiz- und Nebenkosten nicht zu hoch werden. Auch kommen Mietende auf uns zu mit wertvollen Tipps oder sind bereit, selbst einen Beitrag zu leisten.  

Wie gehen Sie nun vor?

Unser externer Heizungsexperte hat unsere Siedlungen analysiert und Umsetzungsvorschläge unterbreitet. Diese Angelegenheit ist komplexer, als sie scheint, und ist nicht mit einem einzigen Knopfdruck umsetzbar. Aktuell ist er daran, unsere rund 44 Heizungen umzustellen. Damit die eingestellten Werte jederzeit nachvollziehbar bleiben, werden diese im Vorfeld protokolliert. Eine Ist-Situation der Heizanlagen wird aufgenommen. In einem zweiten Schritt werden die Heizkurven individuell auf die jeweiligen baulich unterschiedlichen Gebäude abgestimmt und einreguliert.  

Was tun, wenns in der Wohnung
trotzdem wärmer oder kälter wird?

Es kann sein, dass die Temperatur trotz maximal eingestelltem Thermostat einer Wohnung unter 19 Grad fallen oder über 23 Grad steigen kann. In solchen Fällen bitten wir die Mietenden, sich über unser Schadenformular unter abl.ch/schaden zu melden. Grundsätzlich bitten wir aber um Geduld, weil wir dies jeweils gesamthaft anschauen wollen.  

Was bedeutet diese Reduktion finanziell?
Laut Experten beträgt die Einsparung zwischen 10 und 15 Prozent. Diese Zahl ist jedoch mit Vorsicht zu geniessen, weil unsere Siedlungen unterschiedlich gebaut und dementsprechend isoliert sind. Der Spareffekt ist daher nicht überall gleich.  

Was ist Ihr persönlicher Spartipp?

Gekippte Fenster sind eine enorme Energieverschwendung. Durch dauerhaft gekippte Fenster geht viel Wärme verloren und das angrenzende Mauerwerk kühlt stark aus. Es ist nur ein geringer Luftaustausch möglich. An kalten Wänden kondensiert dann die Feuchtigkeit schneller und die Wände werden feucht. Schimmelbildung wird also durch gekippte Fenster begünstigt. Leider stellen wir immer wieder fest, dass dies öfter noch so gemacht wird. Ein korrektes Lüftverhalten kann einen enormen Spareffekt erzeugen. Dies zeigen uns auch Auswertungen bei unserem e-Gain-Pilotprojekt in der Siedlung Mittlerhus. Die Unterschiede sind frappant.