Bei 1 000 Grad zu Schlacke gemacht
Der Rundgang durch die KVA bei Root – eingebettet zwischen Reuss und Rontal – ist in vielerlei Hinsicht eindrücklich. Da ist etwa das imposante Gebäude, das mit seiner Architektur je nach Betrachterin oder Betrachter unterschiedliche Assoziationen auslösen dürfte: ein 200 Meter langer und 50 Meter hoher gerippter Monolith aus Beton und Metall.
Die Anlieferhalle mit ihren acht Strassen und den riesigen nummerierten Toren ist bemerkenswert. Im Minutentakt fahren Lastwagen mit ihren Mulden hinein und kippen den Haushaltmüll und Abfälle aus Industrie, Gewerbe und Bau in den sechs Meter tiefen Anlieferbunker. Was genau die Zentralschweizer Abfallverbände und die verschiedenen spezialisierten Firmen in der KVA alles entleeren, werde lediglich stichprobenmässig kontrolliert, sagt Jung. Da gibts hin und wieder böse Überraschungen. So landeten beispielsweise auch schon ein grosser Schiffskiel aus Stahl, Badewannen, Boiler, Sägeblätter und Gasflaschen im Bauch der KVA, was gefährlich ist und Schäden verursachen kann. Und ausserdem dumm ist: Der stählerne Kiel hätte in der Wiederverwertung gutes Geld gebracht. Eine kleine Freiluftausstellung illustriert übrigens solche Abfallsünden effektvoll.
Ist der Müll im KVA-Bauch angelangt, wird er von zwei Kränen auf verschiedene Abteile – sogenannte Abfalltrichter – verteilt, teils automatisiert, teils von Hand. Grössere Teile werden geschreddert. Die beiden imposanten Greifer, die auf den Laufkatzen hin und her gleiten, können sich aufs Mal bis zu sechs Tonnen Abfall krallen.
Schliesslich wird der Müll bei ungefähr 1 000 Grad Celsius verbrannt. Übrig bleibt sämtliches nicht brennbare Material, die Schlacke: Asche, Ton- und Glasscherben, Zement aus Bauschutt und Metalle. Letztere werden ausgeschieden und wiederverwertet, der Rest wird einer Reststoffdeponie zugeführt.