Nachhaltigkeit

Wenn der Elektroantrieb bei der Bergtour, beim Zügeln und beim Katzenholen hilft

Mit dem Elektrovelo bis zur Fräkmüntegg? Laurin Murer hat sich dafür bei der Mobilitätsstation im Weinbergli-Quartier das passende Gefährt ausgeliehen.

Seit gut zwei Monaten können bei der neuen Mobilitätsstation im Weinbergli-Quartier verschiedene Elektrofahrzeuge ausgeliehen werden. Ein E-Cargobike- und Elektro-velo-Fahrer sowie eine E-Auto-Nutzerin ziehen ein erstes Fazit.

Die Mobilitätsstation ist gut angelaufen. Dieses Fazit zieht Christoph Zurflüh von Trafikpoint, die die Mobilitätsstation betreibt. Bis jetzt hätten sich rund 120 Personen auf der Plattform registriert. Knapp 100 Fahrzeugbuchungen habe es schon gegeben. «Der Betrieb funktioniert grundsätzlich gut. Da und dort gibt es noch Justierungen vorzunehmen», sagt Zurflüh. Man habe aber sowohl aus dem Quartier als auch schweizweit ein positives Echo erhalten. Besonders beliebt seien das Elektroauto sowie das E-Cargobike. Beim E-Roller sei die Nachfrage noch verhalten. «Vor dem E-Roller haben die meisten noch Respekt. Zu Unrecht. Er ist einfach bedienbar und es stehen zwei Helme vor Ort zur Verfügung. Er ist ideal für den Sommer.»

Und was sagen Nutzerinnen und Nutzer selbst zur Mobilitätsstation? Das abl-magazin hat bei drei Ausleiherinnen und Ausleihern nachgefragt.

Laurin Murer (35) aus Luzern:
 Mit dem E-Velo auf den Pilatus

«Kürzlich habe ich eines der Elektrovelos für eine Velotour ausgeliehen. Ich darf feststellen: Sie sind bergtauglich. Mit Freunden bin ich auf den Pilatus bis zur Fräkmüntegg gefahren. Zwischendurch musste ich das Velo zwar immer wieder mal schieben, weil der Motor heiss wurde. Aber bis zur Krienseregg kommt man damit locker und es fährt sich auch viel entspannter als mit einem normalen Velo. Das E-Velo werde ich in Zukunft noch öfter ausleihen. Nicht unbedingt nur für grosse Bergtouren, sondern primär auch, um gemütlich auf die kleinen Hügel rund um Luzern oder in die Agglomeration zu kommen.
Ich finde die Idee der Mobilitätsstation und vor allem das Sharing-Prinzip dahinter toll. Klar hätte ich mir für die Tour auch ein topmodernes E-Mountainbike kaufen können. Aber wie oft benutzt man das? Die meiste Zeit steht es eh herum. Nicht nur bei Velos ergibt es in meinen Augen Sinn, sie zu teilen. Wir besitzen in der Schweiz viel zu viele Dinge, die selten gebraucht werden. Deshalb bin ich ein Fan der Share-Economy. Auf der Plattform Sharely biete ich etwa meine Schneeschuhe zum Ausleihen an. So muss sich nicht jeder eigene Schneeschuhe kaufen, was Ressourcen spart. Als Softwareentwickler habe ich auch die App der Mobilitätsstation genauer unter die Lupe genommen. Sie hat zwar noch einige wenige Kinderkrankheiten, aber sie ist sehr benutzerfreundlich und tipptopp programmiert.»

Auto teilen statt kaufen: für Mariangela Hardt und ihren Sohn eine optimale Lösung, direkt vor ihrer Haustür.

Mariangela Hardt (41) aus Luzern: Oldtimer-
Liebhaberin schätzt den Elektroantrieb

«Vor einiger Zeit habe ich mit dem Gedanken gespielt, mir ein eigenes Auto zu kaufen. Als ich erfahren habe, dass direkt vor meiner Haustür eine Mobilitätsstation eingerichtet wird, in der auch ein Elektroauto zur Verfügung stehen wird, habe ich meinen Autokauf auf Eis gelegt. Bis jetzt habe ich die Entscheidung nicht bereut, denn ich konnte das Elektroauto schon mehrmals gut gebrauchen. Mal ging ich mit ihm unsere dritte Katze abholen, ein anderes Mal Katzenstreu kaufen. Früher musste ich die schweren Säcke immer mühsam durch die Stadt schleppen. Das Fahren mit dem Elektroantrieb macht Spass. Man gleitet ruhig und still auf den Strassen. Etwas ungewohnt ist, dass man nicht mal mehr einen Schalthebel bedienen muss. Am Anfang war das Auto immer frei, wenn ich es spontan ausleihen wollte. Mittlerweile muss man etwas mehr vorausplanen, da es offenbar bei den Bewohnerinnen und Bewohnern immer beliebter wird. Deshalb sehe ich Potenzial, allenfalls ein zweites Auto dazuzustellen. Den Preis für das Ausleihen finde ich fair. Schliesslich sind darin die Versicherungen, Parkplatzgebühren und das Putzen inbegriffen. Am meisten lohnt es sich, wenn man das Auto gleich für einen ganzen Tag bucht. Wer mich übrigens persönlich kennt, der wird vielleicht überrascht sein, dass ich ein Elektroauto zur Miete fahre. Denn ein grosses Hobby von mir war es, an Oldtimern herumzuschrauben und damit Rallyes zu fahren. Doch wenn man in der Stadt wohnt und das Auto nicht täglich benötigt, lohnt es sich einfach, auf ein Sharing-Modell zu setzen. Ich bin überzeugt, dass das die Zukunft ist.»

Mario Stübi weiss, wie das Cargobike sicher beladen wird.

Mario Stübi (38) aus Luzern:
 Das Cargobike als Zügelwagen

«Mit dem Cargobike habe ich beim Umzug in eine neue Wohnung meine Pflanzen, Pflanzentöpfe und Erde transportiert. Da ich in einer Weinbaugenossenschaft bin, fuhr ich auch schon Weinkisten mit dem Bike herum. Es ist erstaunlich, was alles auf die Lademulde passt. Man muss nur aufpassen, dass die Gegenstände auf die Länge der Ladefläche verteilt werden und nicht seitlich. Ansonsten besteht die Gefahr, dass man umkippt. Wichtig ist auch, dass die Ladung gut gesichert ist, damit sie nicht plötzlich, zum Beispiel mitten auf der Seebrücke, auf die Fahrbahn fällt. Sowieso muss man sich zuerst an das Velo etwas gewöhnen. Besonders beim Anfahren. Denn es dauert seine Zeit, bis der Motor einsetzt. Wenn man aber mal in Schuss ist, halte ich das Fahrgefühl für genial. Das E-Cargobike ist mit seinem Gewicht ein wenig wie ein Kahn, den es durch den Stadtverkehr zu schiffen gilt. Natürlich ist es Übungssache, bis man dieses Gleiten beherrscht. Es fühlt sich zum Beispiel nach wie vor etwas ungewohnt an, beim Abbiegen eine Hand zu heben und das Velo mit nur einer Hand zu steuern. Trotzdem: Ich möchte das E-Cargobike nicht mehr missen. Es ist gegenüber dem Auto ökologischer, spart Platz und ist erst noch gesund. Ich halte es für gut, dass die abl mit der Mobilitätsstation die Initiative ergriffen hat, um ein Verkehrsmodell der Zukunft zu lancieren. Ansonsten hätte früher oder später sich die Politik darum kümmern müssen. Nun geht es darum, die Station und die Angebote bekannt zu machen. Damit die Leute Mut haben, die Fahrzeuge auszuprobieren.»

Infoanlass für Interessierte



Am 22. Juni von 18 bis 20 Uhr findet bei der Mobilitätsstation im Innenhof an der Weinberglistrasse 11, eingangs Gebeneggweg, ein Infoanlass statt. Es können alle Elektrofahrgeräte ausprobiert werden. Vor Ort stehen Fachpersonen von Trafikpoint für Fragen zur Verfügung. Laden Sie sich die Trafikpoint-App im App- oder Google-Play-Store herunter.

So gelingt die erste Fahrt
1. Ein paar Tage vor der ersten Fahrt die Trafikpoint-App aufs Handy laden.

2. Kostenlos in der App registrieren mit Namen,
 Adresse, E-Mail, Ausweis, Führerausweis und Kreditkarte. Für eine reibungslose Nutzung der App folgende Einstellungen wählen: Standort freigeben, Bluetooth einschalten, Akku-Optimierung (Android) ausschalten.

3. Buchen Sie mit der App die erste Fahrt. Mit der App kann das reservierte Fahrzeug zu Beginn sowie unterwegs geöffnet und geschlossen werden. 

4. Bringen Sie das Fahrzeug rechtzeitig zurück und stellen Sie sicher, dass das Fahrzeug an der Mobilitätsstation an den Strom angeschlossen ist. 

5. Schliessen Sie das Fahrzeug ab und beenden Sie mit der App die Buchung. Bezahlt wird die Zeit der Buchung. Es fallen keine Abogebühren an.


Der Standort der Mobilitätsstation befindet sich im Innenhof an der Weinberglistrasse 11, eingangs 
Gebeneggweg.

Drei Tage freie Fahrt gewinnen
Trafikpoint verlost für die Mobilitätsstation Weinbergli 3 x 1 Tag für ein Verkehrsmittel (E-Auto: maximal 100 km inklusive) nach Wahl. Schreiben Sie uns ein E-Mail oder eine Postkarte mit Ihrer Adresse und dem Betreff «Mobilitätsstation» an kultur (at) abl.ch oder an allgemeine baugenossenschaft luzern, Bundesstrasse 16, 6003 Luzern. Einsendeschluss: 30. Juni 2022