Nachhaltigkeit

«Solaranlagen auf abl-Dächern haben grosses Potenzial»

Solarpanels für die Stromversorgung hat die abl unter anderem bereits in den Siedlungen Himmelrich 3, Weinbergli oder wie hier auf dem Bild im Obermaihof verbaut. 

Die abl will in den nächsten Jahren auch bestehende Wohnhäuser mit Photovoltaik
anlagen ausstatten und so ihren Beitrag zur nachhaltigen Energiegewinnung leisten. Davon profitieren die Umwelt und das Portemonnaie der Mietenden.

Welche abl-Dächer für Photovoltaikanlagen besonders infrage kommen und wie Mieterinnen und Mieter vom Solarstrom profitieren können, erzählt Solarexperte Richard Durot von der Firma Zagsolar im Interview.  


Herr Durot, Sie haben für die abl unter
sucht, welches Potenzial abl-Siedlungen
beim Erzeugen von Solarstrom haben.
 Wie lautet Ihr Fazit?

Sie haben riesiges Potenzial! Einzelne Siedlungen etwas mehr, andere etwas weniger. Insgesamt kommen aber enorm viele Dächer infrage, auf denen wir Photovoltaikanlagen installieren können.  


Kommt jedes Haus der abl für den
Solarausbau infrage?  
Nein, auf gewisse Altbauten muss verzichtet werden. Dort sind die Kosten zu gross und der Nutzen zu gering. Auch auf Häusern, die in einer besonders schützenswerten Zone stehen, ist die Realisierung einer Anlage schwierig. 

Wie sieht für Sie das perfekte Dach
für eine Photovoltaikanlage aus?

Es ist gegen Süden ausgerichtet, hat eine grosse Fläche und steht in einem Winkel von gut 30 Grad. Es ist also relativ steil. Ausserdem hat es kaum Aufbauten, die Schatten auf Panels werfen könnten. Das vermindert den Ertrag. Auch hilft es, wenn das Haus einen Estrich hat, wo man die Wechselrichter und andere Technik unterbringen kann. 

Nord-Dächer kommen gar nicht infrage?

Doch. Auch ein Nord-Dach kann noch genügend Strom erzeugen, sodass es sich lohnt. Die abl hat das Ziel, möglichst viele Dächer mit Solarpanels auszustatten. Auch Dächer, die nicht einen Maximalertrag erbringen. 

Wie können die Mieterinnen und Mieter
vom Solarstrom profitieren?

Sie profitieren von günstigerem Strom. Auf welche Art, prüfen wir zurzeit. Bei der ewl bekommen die Mietenden den genutzten Solarstrom 0.7 Rappen günstiger pro kWh gegenüber dem Normaltarif. Bei Neubauten wird ein Zusammenschluss zum Eigenverbrauch realisiert. Die Mieterinnen und Mieter bekommen dann den Strom voraussichtlich zwischen 0 und 3 Rp./kWh günstiger als im Normaltarif. 
 

Effiziente PV-Module können heute auch auf Dächern installiert werden, die nach Osten, Westen oder gar Norden ausgerichtet sind.

Sind Solaranlagen für Vermieterinnen und
 Vermieter überhaupt finanziell interessant?
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass dahinter ein ökologischer Idealismus stecken muss. Die Kosten für die Installation und den Unterhalt entfallen auf den Liegenschaftsbesitzer, wobei der Strombezug mit und ohne Solaranlage der Mieterschaft verrechnet werden kann. Bei gut funktionierenden Solaranlagen resultiert heute aber ein jährlicher Gewinn, der nebst dem günstigeren Strom für die Mietenden auch für Vermieterinnen und Vermieter interessant ist. 

Die abl hat bereits Solaranlagen im
 Einsatz. Zum Beispiel beim Himmelrich 3. 
Wie laufen diese Anlagen?
 
Gut. Die abl verbaut schon recht lange Solaranlagen auf ihren Dächern. Die meisten sind selbsttragend oder gar gewinnbringend. 

Werden die Photovoltaikanlagen auf
den abl-Dächern vorwiegend im Sommer
 rentieren?
 
Nicht nur. Klar, im Winter haben wir das Problem, dass Schnee auf den Modulen sein könnte und dass es Nebeltage gibt. Ausserdem steht die Sonne dann bei 20 Grad, was für die Stromproduktion nicht ideal ist. Trotzdem kann auch ein Süd-Dach an einem schönen Wintersonnentag ordentlich Strom erzeugen. 

Können Solarmodule auch an Fassaden
und Balkonen angebracht werden? 
Wie gross das Potenzial für Fassaden bei abl-Gebäuden ist, haben wir nicht geprüft. Gerade in der Stadt sind geeignete Süd-Fassaden nicht so leicht zu finden. Oft ist der Schattenwurf des Nachbargebäudes ein Problem.  


Und die Balkone?

Dass man Balkonbrüstungen mit Solarmodulen realisiert, finde ich eine gute Lösung. Wenn die Fassade renoviert werden muss, bietet es sich an, auch die Nutzung von Balkonbrüstungen zu prüfen.  

 

abl setzt auf Maximalvariante

Die abl will sich in Zukunft noch stärker für eine nachhaltige Energiegewinnung einsetzen. Deshalb hat sie die auf Solarenergie spezialisierte Firma Zagsolar in Kriens damit beauftragt, zu schauen, welche Dächer auf abl-Liegenschaften mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden können. «Ziel ist es, dass Ende 2027 möglichst viele Dächer von abl-Häusern mit Photovoltaikanlagen bestückt sind», sagt Peter Bucher, Leiter Bau und Entwicklung der abl. Dabei stehe ganz klar nicht die Gewinnmaximierung im Vordergrund. «Wir setzen auf die Maximalvariante und wollen möglichst viele Dächer ausstatten», sagt Bucher. Auch solche, die nicht optimal ausgerichtet sind, mit denen sich aber trotzdem rentabel Strom produzieren lässt. Die Anlagen sollen über einen Zeitraum von 20 Jahren abgeschrieben werden. Danach werde man schauen, welche neuen Innovationen der Solarmarkt zu bieten hat. Geplant ist, dass ein erster Ausbau bereits im Herbst 2022 vollzogen wird.
 


Mittlerweile gibt es Module, die
 Mieterinnen und Mieter selbst an ihre 
Balkongeländer hängen können.
 Was halten Sie davon?

Das Problem dabei ist, dass die Standardmodule in der Regel nicht exakt auf die Geländer passen. Ich finde diese Lösung optisch deshalb oft nicht sehr ansprechend.  


Immer wieder hört man, dass Photovol
taikanlagen bei der Entsorgung nicht sehr
nachhaltig sind. Stimmt das?

Mittlerweile werden auch Solarmodule gut recycelt. Mit dem Erwerb der Module wird auch gleich die Entsorgung mitbezahlt. Diese wird von Schweizer Spezialfirmen ausgeführt. Die abl verwendet Solarzellen aus Silizium, das gut zurückgewonnen werden kann. Auch das Aluminium wird rezykliert.  


Zurzeit leiden viele Branchen unter 
Lieferschwierigkeiten, ausgelöst durch die
 Coronapandemie, aber auch durch
den Krieg in der Ukraine. Leidet auch die
 Solarbranche darunter?

Auch wir leiden unter langen Lieferzeiten. Das hat aber vor allem mit der enorm grossen Nachfrage zu tun. Bei den Wechselrichtern herrscht die grösste Knappheit. Was aber noch viel mehr ins Gewicht fällt, sind die fehlenden Fachkräfte, sprich die Installateure. Der Fachverband Swisssolar rechnet damit, dass es in den nächsten 20 Jahren 20 000 bis 30 000 neue Installateure braucht.  

Kommen die meisten Solarmodule 
mittlerweile aus China?
 
Das ist in der Tat so. Über 90 Prozent der Zellen kommen von dort. Und die Qualität stimmt. Aber auch Deutschland und Italien mischen vorn mit. Aus ökologischen Gründen, damit meine ich den Transport, wird die abl mit Vorzug Module aus Europa verwenden.  

Gibt es Schweizer Anbieter?

Ja, die Firmen 3S solar plus oder Megasol etwa. Die haben sich besonders auf die Fertigung von Sondermodulen spezialisiert.  


Sie sind seit über 25 Jahren im Solar
geschäft tätig. Wo geht die Reise in den
nächsten Jahren hin?

In den vergangenen Jahren sind die Solarzellen immer effizienter geworden. Hatten sie in den 1990er-Jahren einen Wirkungsgrad von 12 Prozent, sind wir heute bei 21 Prozent. Von der eingestrahlten Sonnenenergie werden also bereits 21 Prozent in Strom umgewandelt. Ich denke, dass sie noch effizienter werden. Ansonsten wird es noch mehr Möglichkeiten geben, Solaranlagen in die Gebäude zu integrieren. Das Dach wird zum Beispiel anstatt mit Ziegeln mit Solarpanels belegt, welche die Bedachung bilden. Die Möglichkeiten sind vielfältig. 
 

Zur Person Richard 
Durot ist dipl. Elektroingenieur ETH und NDS Bau und Energie. Er ist in der Geschäftsführung der Firma Zagsolar mit Sitz in Kriens. Seit 20 Jahren plant, projektiert und realisiert die Firma Photovoltaikanlagen. Foto zvg