Vorbildlicher Effort
Katrin Burri, bei der abl zuständig für Genossenschaftskultur und Soziales, hat das Vorhaben von Anfang an begleitet und ist spürbar begeistert vom Tatendrang der Gruppe: «Sie waren sehr selbstständig unterwegs. Es brauchte Geduld, aber es sind Leute, die das wirklich wollen. Diese Selbstorganisation braucht viel Zeit.» Es sei jeweils eine Gratwanderung mit den Ansprüchen an die abl. «Für uns war aber klar, dass die Verantwortung für den Betrieb nicht bei uns liegen kann, sondern dass sich die Mieterinnen und Mieter selber organisieren», so Katrin Burri. Oft sei der Knackpunkt bei solchen Ideen, Leute zu finden, die sich fix darum kümmern. «Es ist dem Verein deshalb hoch anzurechnen, dass er diesen Effort leistet.»Auch für die Genossenschaft ist das Vorgehen mit dem Verein ein Versuchslabor: Welchen Kompromiss kann sie beim Mietvertrag eingehen? Welche Räume kommen infrage? Wie sieht der Rohbau aus und wer leistet wie viel für den Endausbau? Um den geeigneten Raum zu finden, musste die abl zudem abwarten, welche Flächen vom Gewerbe im Himmelrich nicht beansprucht werden. Die zweijährige Unterstützung aus dem Genossenschaftsfonds, der seit 2017 besteht und aus einem Prozent der Mieteinnahmen gespiesen wird, war danach schnell unter Dach und Fach.
Know-how weitergeben
Katrin Burri hofft, dass das Beispiel als Vorbild dient, denn der Fonds dürfte noch stärker angezapft werden: «Das Kriterium für Unterstützung ist nicht, dass etwas ewig dauern muss, es darf auch etwas ausprobiert werden, wenn das Bedürfnis vorhanden ist.» Dazu gehören definitiv Räume zum Werken, Basteln und selber Flicken in einer städtischen Siedlung – besonders wenn grosse Keller oder Estrichräume fehlen. «Es wird spannend sein, ob es künftig in anderen Siedlungen ähnliche Bestrebungen gibt», so Burri. Auch der Verein hofft auf Vorbildcharakter – gerade in einer Zeit, in der Teilen und Leihen immer wichtiger wird. «Es macht keinen Sinn, dass jemand für sich eine komplette Werkstatt einrichtet», findet Christian Vögtli. Teilen sei nicht nur finanziell, sondern auch unter ökologischen Aspekten sinnvoll. Und wenn die Werkstatt dereinst zusätzlich als Wissenspool fungiert, hat sie ihren Zweck mehr als erfüllt. «Das Ganze soll noch wachsen, wir fangen jetzt einfach mal an ohne durchgehende Strategie», bringt es Christian Hochstrasser auf den Punkt.