Genossenschaftskultur

Für mehr Geselligkeit in der Brunnmatt

Unter Leitung des Vereins Spieltraum wurden auch die Kinder der Siedlung nach ihren Bedürfnissen befragt.

Im Aussenraum findet ein wichtiger Teil des Zusammenlebens statt. Dort lassen sich beim Spielen oder Picknicken spontan und unkompliziert neue Kontakte knüpfen. Damit das in der Siedlung Brunnmatt in Kriens wieder besser möglich ist, soll frischer Wind einkehren.

Gewisse waren neugierig, andere weniger und manche kamen gezielt vorbei: Katrin Burri und Regula Aepli der abl-Fachstelle Genossenschaftskultur und Soziales waren im Oktober und November an zwei Samstagen in der Siedlung Brunnmatt in Kriens anwesend. Auf Plakaten hängten sie Fragen auf und erforschten im Gespräch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, was ihnen am Aussenraum gefällt, was verbessert werden soll und welche weiteren Wünsche, Bedürfnisse und Anregungen sie haben. Dabei stellte die Fachstelle fest: Die Ansprüche sind nicht überrissen und durchaus berechtigt.  

Teil einer grösseren Untersuchung
Werfen wir einen Blick zurück: Im vergangenen Jahr untersuchte die abl bereits ihre Siedlungen in Bezug auf den Aussen- und Spielraum (magazin 02/2019). So konnte sie sich eine Übersicht über den Zustand der Liegenschaften verschaffen und herausspüren, in welche Richtung die Anliegen der Bewohnerschaft gehen. Aus den Ergebnissen leitete sie ab, wo Handlungsbedarf besteht und wo der Aussenraum in guter Verfassung ist. In der Siedlung Brunnmatt zeigte sich Erneuerungsbedarf. Bevor aber etwas unternommen wird, wollte die Fachstelle Genossenschaftskultur und Soziales die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner vertiefter erfahren.  

Spürbarer 70er-Groove
Die Stimmung an den abl-Mitwirkungsanlässen war wohlwollend und freudig. Die Siedlung an der Brunnmattstrasse ist ein Relikt aus dem Jahr 1970. Erstmals erstellte die abl dort Wohnraum über die Stadtgrenze hinaus: Zwei mit orange-gelben Platten verkleidete Bauten umgeben von Rasen und einem Spielplatz. Dieser besteht aus Schaukeln, einem Klettergerüst und einem Beton-Pingpong-Tisch mit ein paar Sitzgelegenheiten. Beton und Stahl rahmen 

Regula Aepli (rechts) im Gespräch mit einer Bewohnerin im Eingangsbereich der Siedlung Brunnmatt in Kriens.

die Spielzone. Unter «kinderfreundlich» verstehen wir heute etwas anderes. Seit 1970 wurden im Aussenbereich – abgesehen von einigen Hochbeeten – keine grösseren Veränderungen vorgenommen. Und das ist sichtbar. Der «70ties-Look» hat den Zahn der Zeit überlebt und seine Langlebigkeit unter Beweis gestellt. «Den Spielplatz zu erneuern, war ein oft genannter Wunsch bei unseren Gesprächen», bestätigt Regula Aepli von der Fachstelle Genossenschaftskultur und Soziales. 

Holz und Weide statt Stahl und Beton
Für die Erneuerung des Spielplatzes gingen seitens der Bewohnerschaft viele Ideen ein. Und zwar von den Erwachsenen wie von den Kindern. Letztere wünschten sich unter anderem Klettermöglichkeiten mit Seilen und Holz, ein Baumhaus, einen Sandkasten, verschiedene Schaukeln und ein Weidetunnel-Labyrinth. Das sind andere Materialien als jene, die den Baustil der 70er-Jahre prägen. Insgesamt regten einige Bewohnerinnen und Bewohner an, den Aussenraum naturnaher zu gestalten und mit vielfältigeren Pflanzenarten zu bepflanzen. «Ich glaube, es braucht nichts Übermässiges, um einiges zu bewirken», so Regula Aepli.  

Geselligkeit fördern
Einige ältere Bewohnerinnen und Bewohner haben den Erstbezug der Siedlung mitgemacht und leben seit 50 Jahren in der Brunnmatt. Zur Anfangszeit wohnten dort viele Familien: «Es scheint ein gutes Zusammenleben gewesen zu sein damals, mit vielen gemeinsamen Aktivitäten, Austausch und gegenseitigen Hilfeleistungen.» Im Laufe der Zeit habe sich das verändert. Das Leben wurde anonymer. Heute wohnen weniger Familien, dafür Menschen von allen Generationen und aus verschiedenen Kulturen in den 84 Wohnungen der Siedlung. Bei ihrer Anwesenheit stellte die Fachstelle Genossenschaftskultur und Soziales fest, dass unter anderem der Wunsch nach mehr Geselligkeit besteht – über alle Altersstufen hinweg. Mit einem Sitzplatz und einer Grillstelle beispielsweise würden Orte dafür geschaffen. «Der Aussenraum hat viel Potenzial für Begegnungen, Aufenthalt und Austausch und könnte mit angemessenem Aufwand so gestaltet werden, dass er belebter und wieder attraktiv wird für alle Generationen und insbesondere Familien», meint Regula Aepli. Denn Kinder seien ein guter Brückenbauer, um Kontakte herzustellen.  

Bereitschaft zur Mithilfe willkommen
Nun werden die verschiedenen Wünsche und Anregungen ausgewertet und anschliessend das weitere Vorgehen besprochen. «Klar ist, dass der Spielplatz renoviert werden muss. Wie genau und welche weiteren Möglichkeiten es gibt, werden wir abklären», sagt Regula Aepli. Ziel ist es, im Frühling 2021 mit der Umsetzung zu beginnen. «Natürlich wäre es schön, dabei die Menschen vor Ort einzubeziehen. Dazu müssen wir aber erst herausfinden, ob die Bereitschaft vorhanden ist.» Für die abl ist es wünschenswert, dass sich Bewohnerinnen und Bewohner einbringen und sich in ihren Wohnsiedlungen engagieren. Dieser Grundgedanke wird in manchen Siedlungen bereits aktiv gelebt, in anderen muss das Bewusstsein dafür noch gefördert werden. Für eine gut funktionierende Nachbarschaft ist dieser Grundgedanke ebenso wichtig wie die guten Spielmöglichkeiten vor dem Haus. 

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Film ab! 

In der 42. Ausgabe der abl-Filmserie «Zukunft ist immer» zeigen wir die Mitwirkungsmöglichkeiten der abl-Mieterinnen und -Mieter und begleiten die Fachstelle Genossenschaftskultur und Soziales bei ihrer Arbeit.