Liebe zur Blume keimte wieder auf
Nur wenige Tage nach der Eröffnung wirkt es, als wären Ursi Saladin und ihr Team längst im neuen Zuhause angekommen. Hinter uns flechten Mirjam von Rotz und Alessia Bättig geschickt Zweige zu feinen Kränzen, vorne vertieft sich eine Stammkundin in die Auswahl der Sträusse. Ursi selbst schweift mit wachsamen Augen zum Eingang: Die Blumen vor der Tür bekommen zu viel Sonne, also greift sie kurzerhand ein und stellt sie in den Schatten.
«Es ist endlich so, wie ich es mir schon vor Jahren gewünscht habe», sagt sie und erzählt von ihrer eigenen Vergangenheit. Ihre erste Karriere als Floristin endete vor rund fünfzehn Jahren, nicht in guter Erinnerung. «Ich musste vieles so gestalten, dass es nicht meinem eigenen Stil entsprach, und Blumen in Formen zwingen, die mir selber nicht gefielen. Irgendwann hatte ich das Gefühl, meine Kreativität nicht ausleben zu können – also habe ich den Beruf aufgegeben.»
Es folgten Jahre in ganz anderen Bereichen: als Masseurin in einem Pflegeheim, als Klassenassistentin oder in der Kinderbetreuung. Tätigkeiten, die zwar mit Menschen zu tun hatten, was ihrem Naturell entspricht. Dennoch habe sie sich in diesen Berufen nie wirklich «zuhause» gefühlt. Zudem keimte in ihr ein Wunsch langsam wieder auf. «In den Ferien habe ich in jeder Stadt jeden Blumenladen besucht und alles aufgesogen. Am liebsten hätte ich dann jeweils den Strauss gleich selbst gebunden.» Der Wunsch, wieder mit Blumen zu arbeiten, wuchs stetig.
Rückhalt der Familie war entscheidend
Ein entscheidender Faktor für den Neustart vor drei Jahren war der Rückhalt, den Ursi in ihrer Familie fand. Ehemann Björn stand von Anfang an hinter ihrer Idee, wieder als Floristin zu arbeiten, und Sohn Manuel (22) springt bis heute gelegentlich ein. Prägend war der Neustart auch für Tochter Noelle (24). Während ihres Studiums an der Pädagogischen Hochschule arbeitete sie im Geschäft mit und entdeckte dabei ihre eigene Begeisterung für Blumen. «Sie hat dermassen Freude an Blumen und an unserem Geschäft, dass sie ihr Studium abgebrochen und eine Ausbildung zur Floristin begonnen hat.»
Und noch etwas hat sich seit ihrer Rückkehr zur Floristik verändert: der Geschmack der Kundschaft. «Ich glaube, mein eigener Stil trifft heute den Zeitgeist.» Und die neuen Räume verstärken dieses Gefühl. Hier können all die kleinen, schönen Dinge so wirken, wie sie gemeint sind. «Viele entdecken erst durch die Präsentation, wie vielfältig und schön unser Angebot ist.»
Letztlich begleiten uns Blumen durch das ganze Leben – von den ersten Glückwünschen zur Geburt bis zum letzten Abschied. Für Ursi Saladin liegt darin der tiefste Sinn ihrer Arbeit: Menschen in all diesen Momenten Freude, Trost oder Farbe zu schenken. Wer den Laden in der Luzerner Neustadt betritt, spürt diese Haltung – und findet hier vielleicht die Blume, Vase oder Kerze, die den eigenen Alltag etwas heller und bunter macht.