Aus der Nachbarschaft
Geschichten vom Ankommen: HelloWelcome feiert Jubiläum
Zehn Jahre nach seiner Gründung ist «HelloWelcome» ein unverzichtbarer Ort des Ankommens für viele Geflüchtete in Luzern. Der offene Treff an der Bundesstrasse 13 bietet Menschen mit Fluchterfahrung Raum für Begegnung, Orientierung und des gemeinsamen Lernens – und zeigt, wie Integration im Alltag gelingen kann.

Im Januar 2016 öffnete «HelloWelcome» am Kauffmannweg 9 seine Türen. Um Menschen, die vor dem Krieg in Syrien in die Schweiz geflohen waren, willkommen zu heissen. Ein Projekt für zwei, vielleicht drei Jahre. Zehn Jahre später ist «HelloWelcome» wichtiger denn je. Ein Ort der Hoffnung: für Menschen aus Syrien und vielen anderen Ländern, für Menschen, die auf der Suche nach Sicherheit und einer menschenwürdigen Zukunft in die Schweiz gekommen sind.
Im offenen Treff herrscht von Montag bis Donnerstag reger Betrieb. Rund 70 Personen gehen täglich ein und aus. Man begegnet Menschen, die Deutsch lernen, sich in einer neuen Umgebung orientieren, eine Ausbildung beginnen – und hier, in unmittelbarer Nachbarschaft der abl, Schritt für Schritt ein neues Leben aufbauen.
Engagement von abl-Genossenschafter*innen
Freiwillige wie Edith Hausmann und Beat Lipp, Bewohner*innen der abl, unterstützen sie dabei. Sie sind zwei von rund 100 Menschen, die sich regelmässig bei «HelloWelcome» für Geflüchtete engagieren.
«Der offene Treff und die verschiedenen Angebote sind gute Möglichkeiten für niederschwellige Begegnungen zwischen Einheimischen und Zugewanderten, für den Austausch von Erfahrungen und das Teilen von Wissen.» Hausmann war bereits am Eröffnungstag des offenen Treffs vor zehn Jahren dabei, die Besucher*innen aber blieben aus. Heute vergehen keine fünf Minuten, ohne dass jemand nach Unterstützung fragt. Aus den Begegnungen im offenen Treff sind eine Vielzahl von neuen Projekten und Freundschaften entstanden, deren Wirkung weit über die Räumlichkeiten von «HelloWelcome» hinausgehen.
Diese Begegnungen prägen das Ankommen vieler Besucher*innen von «HelloWelcome». «Viele von ihnen kennen wir schon lange», sagt Barbara Müller, Co-Geschäftsleiterin. «2016 kamen sie, um Deutsch zu lernen und Landsleute zu treffen. Heute organisieren sie Benefizveranstaltungen, informieren über die Zustände in ihren Herkunftsländern oder werden Teammitglieder.»
Ausstellung zum Jubiläum
Die Ausstellung «Geschichten vom Ankommen» zeigt zehn Porträts von Menschen, die «HelloWelcome» in den letzten Jahren begleitet hat. «Diese Menschen stehen stellvertretend für viele Besucher*innen von ‹HelloWelcome›», sagt Müller. «Wir wollen positive Geschichten erzählen und aufzeigen, wie ein gelingendes Zusammenleben aussehen kann.»
Die Porträts blenden die Schwierigkeiten dabei nicht aus. Sie erzählen von Verlust und Niederlagen, von Sehnsucht, Ablehnung und Trauer. Und dann von Freude. Vom Stolz, wenn die Prüfung im zweiten Anlauf gelingt. Von der Erleichterung, wenn der Schweizer Pass in Aussicht gestellt wird. Von der Hoffnung auf ein Wiedersehen mit den zurückgelassenen Angehörigen, wenn die Aufenthaltsbewilligung B endlich das Reisen erlaubt. Wenn das Asylverfahren abgeschlossen und das jahrelange Warten ein Ende findet.
Neue Räumlichkeiten gesucht
«Viele unserer Besucher*innen beeindrucken uns immer wieder», sagt Müller. «Weil sie sich von Umwegen nicht davon abhalten lassen, ihr Ziel zu verfolgen. Weil sie nach jedem Tiefschlag wieder aufstehen und weiterkämpfen. Und weil sie trotz allem ihren Humor nicht verlieren.»
Die Geschichten hinter den Porträts machen zugleich sichtbar, wo strukturelle Hürden bestehen: im Asylverfahren, bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, beim Zugang zu Bildung oder bei der sozialen Teilhabe.
Heute ist «HelloWelcome» die Anlaufstelle für alles, was das Ankommen in der Schweiz leichter macht. Und für viele der Besucher*innen zur unverzichtbaren ersten Anlaufstelle in vielen Lebenslagen geworden. «HelloWelcome» ist aus der Stadt Luzern nicht mehr wegzudenken. Und ist gleichzeitig erneut auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Die Liegenschaft an der Bundesstrasse wurde verkauft. «HelloWelcome» sucht bereits jetzt aktiv ein neues Zuhause. Damit der inklusive Begegnungsort im Herzen von Luzern bestehen bleibt.
Vernissage «Geschichten vom Ankommen»
Wann: Donnerstag, 5. Februar 2026, 19 Uhr
Wo: Peterskapelle Luzern
Die Ausstellung dauert bis 10. Februar 2026, anschliessend wird sie an rund 30 Standorten in der Stadt Luzern und Umgebung gezeigt.
Mitwirkende Ausstellung: Janina Noser (Gestaltung), vshootz.com (Fotografie), Renate Metzger-Breitenfellner
Zehn Jahre «HelloWelcome»
«HelloWelcome» feiert sein Jubiläum mit weiteren Aktivitäten über das ganze Jahr verteilt. Am Weltflüchtlingstag, Samstag, 20. Juni 2026, findet das «HelloWelcome»-Strassenfest an der Himmelrichstrasse statt. Mit Musik, Essen und Tanz. Und am 30. November 2026 präsentiert der «theaterKoffer Luzern» das Stück «HelloWelcome – der Name ist Programm» einmalig auf der Kleintheater-Bühne.
























































