Wer schon einmal länger im fremdsprachigen Ausland unterwegs war, kennt das vielleicht: Nach mehreren Wochen der Kommunikation in einer Fremdsprache freut man sich, wenn man plötzlich wieder so reden kann, «wie einem der Schnabel gewachsen ist». Man fühlt sich wie zuhause. Sprachforscher*innen haben zudem entdeckt, dass man sich in jeder Fremdsprache auch etwas anders verhält. So kann jemand auf Deutsch sehr sachlich sprechen, während auf Spanisch mehr Gefühle mitschwingen. Von zweisprachigen Menschen hört man auch oft, dass sie zum Beispiel in der einen Sprache alltägliche Dinge abwickeln und mit der anderen nur fluchen.
Die Sprachen, die wir sprechen, prägen uns also. Und wenn wir Sprachen kaum sprechen können oder sie gar nicht verstehen, kann dies zu Missverständnissen führen. Das Gleiche gilt bei der abl. Bei uns sind Menschen aus rund 50 verschiedenen Ländern zuhause. Sie sprechen rund 38 verschiedene Sprachen (vgl. abl-magazin 06/2023). Da ist ein gegenseitiges Verständnis unter Nachbar*innen wie zwischen den abl-Mitarbeitenden und den Mitgliedern entscheidend.
Statt übersetzen einfach(er) schreiben
Sei es eine Auskunft am Schalter des Kundendienstes, ein Aushang im Treppenhaus einer Siedlung, ein Schreiben an die Mieter*innen, ein Anruf aus der Buchhaltung oder die Inhalte des Magazins: Wir möchten, dass unsere Mitglieder die Botschaft oder die Information (richtig) verstehen und darauf reagieren können. Das ist bei der sprachlichen Vielfalt ein grosser Wunsch. Übersetzen wäre eine Lösung, denken Sie nun vielleicht. Doch bei rund 38 Sprachen und mehr als genügend Dokumenten, die es zu übersetzen gäbe, wäre dies unverhältnismässig. Eine andere – kostengünstigere – Lösung muss also her: die Nutzung der einfachen Sprache.
Was ist «einfache Sprache»?
Die «einfache Sprache» richtet sich an alle Menschen, die etwas Deutsch sprechen oder Mühe haben, schwierige Texte zu verstehen. Man vereinfacht komplexe Inhalte und Satzstellungen, sodass sie leichter verständlich werden. Das Gute daran: Auch Menschen mit einem hohen Leseverständnis und Deutsch als Muttersprache verstehen die Inhalte leichter! Dabei gibt es keine festen Regeln, wie aus einem «normalen» Text ein Text in einfacher Sprache wird. Es braucht viel Sprachgefühl, einen komplexen Text auf seine einfachsten Bestandteile und Botschaften herunterzubrechen.
Wollen wir verstanden werden, sollen es kurze Sätze mit Alltagsworten sein. Fachbegriffe sollten erklärt und mit Beispielen ergänzt werden.