Vorstand

Blick auf ein bewegtes Jahr

Das zu Ende gehende Jahr war intensiv, bewegt und reich bestückt mit Herausforderungen. Den Takt gab das Himmelrich 3 an, doch nicht nur. Ein Rückblick in zwölf Stichworten.

Abschied
Nach sieben Jahren Engagement für die abl sagte Ruedi Meier an der Generalversammlung im Mai als Präsident «Adieu». Es war eine bewegte Ära, die mitten in der wohnpolitischen Dynamik um die Initiative «Für zahlbares Wohnen» begann. Die gemeinnützige Wohnbauszene hatte sich im G-Net organisiert. Die Präsidialzeit von Ruedi Meier war innen- wie aussenpolitisch eine Herausforderung. Innen bewegte das Projekt «move» und nach aussen positionierte sich die abl für Kooperationen im Umfeld der städtischen Schlüsselareale. Ruedi Meier hat als umsichtiger Präsident mehr als eine Brücke gebaut und die abl – samt personellen Wechseln an der Spitze – sehr gut durch den Veränderungsprozess geführt.

Bauen
Die ersten Mieterinnen und Mieter zogen im Juni ins Himmelrich 3 ein. Nach und nach belebte sich das Dreieck und die Balkone wurden kunterbunt. Die Storen fehlten bei Höchsttemperaturen, gewisse Bauarbeiten waren noch in vollem Gange – Kommunizieren und Improvisieren war angesagt. Die Mitarbeitenden haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, viel aufgefangen und Verständnis geschaffen. Das positive Feedback hat immer Oberhand behalten. So ist es mehrheitlich auch heute, wo letzte Mängel aufgenommen und behoben werden. Ein Dank an die Mitarbeitenden, die Bewohnerinnen und Bewohner und auch an die Gewerbemieterinnen und -mieter. Die abl lernt von den Erfahrungen in diesem aussergewöhnlichen Projekt.

Dialog
Bei der Kooperation Industriestrasse gab es vier Dialog-Veranstaltungen in der Phase zwischen Wettbewerbsergebnis und Vorprojekt. Nach dem Auftakt vor einem Jahr zum Aussenraum wurde zuletzt ein gemeinsames Regelwerk zur Umsetzung des innovativen Projekts diskutiert (siehe Seite 6). Der wohl schweizweit einzigartige experimentell-partizipative Ansatz der Kooperation führt vor Augen, was Mitsprache heisst, wie das Aushandeln von Grundsätzen und Werten in einer Zusammenarbeit mit fünf Partner-Genossenschaften geht. Und noch viel wichtiger: ein Miteinander kann auch bei sehr unterschiedlichen Haltungen und Meinungen funktionieren.

Gemeinschaft
Wie Gemeinschaft entstehen kann, zeigt die Entwicklung von Nachbarschaft in einer neuen Siedlung. Was da unter den Mieterinnen und Mietern – ja halt wieder im Himmelrich 3 – bis heute entstanden ist, beeindruckt mich. Der von der abl-Soziokultur lancierte Prozess hilft beim Aufbau des Zusammenlebens in der Siedlung mit verschiedenen Treffen und Workshops. Noch ist nicht alles fertig. Gemeinsam werden die Siedlungsbewohnerinnen und -bewohner den Gemeinschaftsraum, den Partyraum, den Innenhof und die Gemeinschaftsdachterrasse bespielen. Sie organisieren sich schon jetzt zum Beispiel via Intranet, das ein engagierter Himmelrich-Bewohner für die Community entwickelt hat.

Jubiläum 95 Jahre abl
Im Innenhof der Siedlung Himmelrich 1 gab es am 23. Mai ein unkompliziertes Geburtstagsfest mit Musik in gemütlicher abl-Runde. An dem Ort, wo alles begann, steht heute eine gut sanierte Siedlung mit einem Glashaus im Innenhof – für mich ein Symbol für das genossenschaftliche Zusammenleben, für gemeinsame Aktivitäten und für Engagement. Die Dynamik in den Anfängen der abl ist vergleichbar mit der Entwicklung unserer aktuellen Projekte. Wie heute hat die Stadt damals auf die Wohnbaugenossenschaften gesetzt, um zahlbaren Wohnraum zu erstellen. Die abl ist nicht die erste Baugenossenschaft gewesen, aber mit ihrer Offenheit, mit ihrer sozialen Ausrichtung und mit Zielstrebigkeit bald die grösste geworden. Das Engagement der Gründer verpflichtet auch auf dem Weg zum 100-Jahr-Jubiläum.

Kooperationen
Nach der Kooperation Industriestrasse wurde auch die Beteiligung der abl an der ewl Areal AG vertraglich bekräftigt. Im Juli wurde das Projekt Rotpol der Öffentlichkeit vorgestellt. Die abl steht hinter dem Projekt und möchte ein vielseitiges Angebot an Wohnraum bieten, das zusammen mit den Wohnungen der Kooperation Industriestrasse einen interessanten Mix für vielfältige Wohnsituationen ergibt. Hinzu kommt die Partnerschaft mit der Viva Luzern AG, die von der abl Fläche für geplante Pflegezimmer mieten wird. An der Bernstrasse baut die abl mit dem Kooperationspartner BG Matt; die Zeichen stehen auf baldigen Baubeginn im Frühling 2020. Beteiligt ist die abl auch bei der Genossenschaft Wohnen im Alter in Kriens GWAK. Der Neubau mitten in Kriens geht ab Frühling 2020 in die Vermietung.

Mitglieder
Die Mitgliederzahl der abl ist in diesem Jahr von rund 11’500 auf über 12’400 gewachsen. Das Interesse ist ungebremst und der Anreiz gross, Anteilscheine der abl zu erwerben. Die abl-Projekte ziehen neue Zielgruppen an, wobei vor allem das Himmelrich 3 als Magnet gewirkt hat. Das Verhältnis zwischen verfügbarem Wohnraum und Mitgliederzahl muss bei diesem steten Wachstum im Auge behalten werden. Das verpflichtet zur gezielten Steuerung der Entwicklung.

Netzwerk
Das breite Netzwerk ist wichtig für ein gemeinsames Engagement unter den Wohnbauträgern – auf Verbandsebene, im G-Net und in den erwähnten Kooperationen. Speziell soll hier auch die Gemeinnützige Stiftung für preisgünstigen Wohnraum Luzern (GSW) erwähnt werden, die eine wichtige soziale Funktion in der städtischen Wohnversorgung hat. Die abl engagiert sich seit Jahren in dieser Stiftung, die ihre Wohnungen Menschen vermietet, die aufgrund ihrer Situation erschwerten Zugang zu Wohnraum haben.

Strategieprozess
Die abl hat den Strategieprozess weitergeführt. Auf der Basis der Gesamtstrategie wurden die strategischen Stossrichtungen auf Ebene der Schwerpunkt-Bereiche Mitglieder und Wohnen, Bau und Entwicklung, Finanzen, Personal und ICT, Kommunikation und Soziokultur weiter präzisiert. Im Vorstandsseminar legte der Vorstand den Fokus auf die Wachstumsstrategie im Kontext der städtischen Wohnraumpolitik und diskutierte mit einer Delegation der Stadtplanung.

Vicino
Der Verein Vicino Luzern ist 2019 so richtig durchgestartet: Die Leistungsvereinbarung mit der Stadt Luzern, die Eröffnungen am Standort Neustadt, in Littau und im Würzenbach (im gezügelten Pavillon). Die abl, die mit der Spitex Luzern seinerzeit das Pilotprojekt lanciert hat, engagiert sich im Vorstand von Vicino. Für das Angebot Wohnen mit Dienstleistungen hat sie nun eine Leistungsvereinbarung unterzeichnet. Ab Januar können abl-Mieterinnen und -Mieter aus der Neustadt von den Vicino-Dienstleistungen profitieren; die abl übernimmt die Hälfte der Kosten.

Wahlen
Hier gerät der Rückblick nun zur Rubrik «In eigener Sache». Das ist immer etwas peinlich. Nichtsdestotrotz freue ich mich sehr, dass ich an der Generalversammlung zur Präsidentin gewählt wurde. Die Agenda ist sehr dicht seit dem nahtlosen Rollenwechsel von der «Vize» zur Präsidentin, die Verantwortung mit der Führungsaufgabe spürbar grösser, die Präsenz auch. Ich die Rollen und Zuständigkeiten auf strategischer und operativer Ebene. Als neuer Vizepräsident wurde vom Vorstand an der konstituierenden Sitzung im Juni Dominik Durrer bestimmt. Er hat mit seiner Sachkompetenz und seinem persönlichen Profil die Generalversammlung überzeugt und wurde einstimmig als Vorstandsmitglied gewählt. In der Geschäftsprüfungskommission hat Claude Blum die Funktion des Obmanns übernommen. Neu in die GPK gewählt wurde Urs Richiger.

Zukunftsplanung
Im neuen Jahr wird uns neben den Grossprojekten auch die Frage der Weiterentwicklung unserer bestehenden Siedlungen beschäftigen. Das Ergebnis der in diesem Jahr durchgeführten Siedlungsanalyse (siehe magazin 05/19) wird aufzeigen, wo wir prioritär Handlungsbedarf haben. Im Hinblick auf die langfristige Entwicklung der Sagenmatt beteiligt sich die abl als Praxispartner am interdisziplinären Projekt der Hochschule Luzern «Sozial nachhaltiges Hochhaus». Noch Zukunftsmusik, aber in ein paar Jahren hoffentlich Realität.