In memoriam

Ein Leben lang abl

Im Rahmen einer fotografischen Inszenierung für die Tribschenstadt setzten sich Hugo und Rosmarie Weibel auf dem Vorplatz der Siedlung auf die Couch.

Wir gedenken unseres ehemaligen Präsidenten Hugo Weibel. Nach längerer Krankheit verstarb er im Alter von 85 Jahren am 17. März 2022. Der abl war er seit Geburt verbunden und über 33 Jahre im Vorstand engagiert. 

Hugo Weibel (*1936) wurde in einer abl-Wohnung gross und blieb der Genossenschaft zeitlebens als Mieter treu. Mit einem vom Grossvater geerbten historischen Anteilschein aus dem Gründungsjahr 1924 hatte er im Rangpunktesystem beste Aussichten auf eine Wohnung.

Genossenschafter durch und durch
Mit seiner Familie wohnte Hugo Weibel zuerst in der neu erstellten Studhaldenhöhe 4. Danach zügelte die sechsköpfige Familie 1976 ins Weinbergli, wo sie für 30 Jahre eines der drei Einfamilienhäuser an der Weinberglistrasse bewohnte. 2006 wurden Rosmarie und Hugo Weibel in der Siedlung Tribschenstadt heimisch. Sie gehörten zur ersten Generation der Tribschenstadt-Mieterschaft und freuten sich über die Attikawohnung mit der grossen Dachterrasse. Ich erinnere mich, dass Hugo Weibel dort zum Lachsrisotto einlud und Einblick in ihre neue Wohnlandschaft gab. Das gesellige Beisammensein bei gutem Essen und Wein war Hugo Weibel wichtig. Er kochte leidenschaftlich gern, erzählte gerne von Reisen, wie jener nach Livigno zum Skifahren mit Kollegen.

Engagiert in verschiedenen Funktionen
Hugo Weibel wohnte nicht nur bei der abl – 33 Jahre lang hat er sich im abl-Vorstand engagiert. Als junger Gewerkschaftssekretär wurde er 1967 in den Vorstand gewählt – damals noch ein Gremium mit 17 Mitgliedern. Der spätere SP-Grossrat (1969–1979) und Amtsrichter Luzern Stadt war 15 Jahre lang Mitglied der abl-Geschäftsleitung und präsidierte danach acht Jahre lang die Baukommission. Als abl-Präsident trat Hugo Weibel 1990 die Nachfolge von Fritz Lanz an. Im Jahr 2000 übergab er das Amt an Werner Schnieper. 

Rosmarie und Hugo Weibel 2006 in ihrem frisch bezogenen Daheim in der neuen Siedlung Tribschenstadt.

Entwicklung der abl begleitet
Während seiner aktiven Zeit in verschiedenen Funktionen hat sich die Genossenschaft entwickelt und ist um einige hundert Wohnungen gewachsen. Hugo Weibel hat zu dieser rasanten Weiterentwicklung beigetragen: zum Beispiel in der Studhaldenhöhe, wo bis 1983 weitere drei Siedlungen dazukamen, oder in der Brunnmatt, der ersten abl-Siedlung in Kriens, wo 84 Wohnungen entstanden. Während seiner zehnjährigen Präsidialzeit kam die grössere Krienser Überbauung Mittlerhus mit insgesamt 140 Wohnungen hinzu. Und: Die abl war in diesen 90er-Jahren auch als Käuferin aktiv. Sie erwarb die Liegenschaften Untergrund 3, Schachenweid in Ebikon und die Siedlung Hochrüti.

Sozial und solidarisch
Im Vordergrund von Hugo Weibels Engagements für die abl standen der soziale Gedanke und die Solidarität: «Er hat sich stets für die Arbeiterbewegung in Luzern, für soziale Fragen und für die abl eingesetzt», erinnert sich sein langjähriger Vorstandskollege und Nachfolger Werner Schnieper. Bei der abl setzte sich Hugo Weibel immer mit Vehemenz und Überzeugung für das Gemeinwohl ein und vertrat die Interessen der abl – und dies laut und deutlich. Auch für das Personal hatte er ein offenes Ohr, und wie Barbara Brügger, Leiterin Kaufmännische Bewirtschaftung, betont, sei er immer für das Wohl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedacht gewesen.

Mit Widerstand gerungen
Seine Zeit als Präsident war eine bewegte Phase in der Geschichte der abl. Als überzeugter Genossenschafter forderte er den Genossenschaftsgedanken und die Solidarität ebenfalls von den Mitgliedern ein. Ungewohnten Widerstand gab es etwa gegen das Erneuerungsprojekt mit Dachausbauten im Breitenlachen, das erst im zweiten Anlauf und mit viel Kommunikation umgesetzt werden konnte. Das «Feuer im Dach» gab ihm zu denken, denn er war überzeugt von dieser Verdichtung einer Siedlung, bei der kein zusätzliches Land beansprucht werden musste. Kritik musste der Vorstand auch wegen einer generellen Mietzinsanpassung einstecken; die Art und Weise der Kritik machte Hugo Weibel zu schaffen.

Der Gastgeber mit der damaligen Präsidentin Ursula Stämmer-Horst und Alt-Präsident Werner Schnieper.

«Lebensversicherung» abl
Hugo Weibel «weibelte» auch als SP-Grossrat und als Amtsrichter für die abl und konnte einige prominente Genossenschaftsmitglieder gewinnen, wie zum Beispiel seinen damaligen Chef und Amtsgerichtspräsidenten Urs Studer. «Die abl-Mitgliedschaft ist fast wie eine Lebensversicherung», lautete sein Argument. Das heutige Vorstandsmitglied Bruno Roelli hatte damals als Richterkollege mit Hugo Weibel und Urs Studer zusammen in der familienrechtlichen Abteilung am Amtsgericht gearbeitet: «Wir hatten zu jeder Zeit ein sehr kollegiales Einvernehmen und zogen gemeinsam am selben Strick für die zu bewältigende Arbeit. Hugo war sehr dienstleistungsbereit – auch gegenüber dem gesamten Gerichtspersonal – und sorgte für eine gute Atmosphäre am Gericht.» 

Miteigentum am Wohnraum
Die soziale Verantwortung der Genossenschaften war sein Anliegen. Ein Zitat von Hugo Weibel in einem Porträt in der Verbandszeitschrift WOHNEN aus dem Jahr 1993 hat noch heute seine Gültigkeit: «Bei den existierenden Bedingungen in der Schweiz ist die Genossenschaft die einzig sinnvolle Möglichkeit, um das Miteigentum breiter Bevölkerungskreise am Wohnraum zu fördern.»

Wir werden Hugo Weibel als engagierten und geselligen abl-Präsidenten in Erinnerung behalten.